Sie war achtzehn, als sie einen 16 Jahre älteren Schriftsteller heiratete. Aus der Hauptstadt des Landes, wo sie bei ihren Eltern gelebt hatte, die zur ersten Gesellschaft zählten, kam sie in ländliche Einsamkeit, auf ein Gut, wo nur eine alte Tante und "einige merkwürdige Wesen, Von denen eines nicht ganz bei Verstand War", lebten. So beschrieb es später ihre älteste indessen Freilich war dort auch ihr Mann, der brachte, die Tage an seinem Schreibtisch verbrächte, wobei er jedoch auf ihre Gesellschaft nicht Verzichten wollte. Deswegen saß sie den ganzen Tag in seinem Arbeitszimmer, mit Stillschweigen, auf dem Diwan und bewahrte Stillschweigen, solange er schrieb.

Da sie so erzogen worden war, daß sie in der Ehe etwas Heiliges sah, fügte sie sich in ihr neues Leben. Und sie nahm es auch hin, daß er sie wegen ihrer deutlichen Handschrift alles, was er am Tage geschrieben hatte, abends in Reinschrift übertragen ließ. Da er jedoch auch in den Reinschriften noch häufig änderte, hat sie -viele seiner Werke mehrmals abgeschrieben.

Sie hat sich über diese Arbeit nie beklagt, auch später nicht, als sie zwar nicht mehr den ganzen Tag bei ihm sitzen mußte, dafür aber noch mehr Arbeit hatte, vor allem durch die Erziehung ihrer Kinder. Dreizehn Kinder brachte sie zur Welt, von denen sie – weil ihr Mann darauf bestand – elf selbst stillte. Was sie schon bald beklagte, war ihre Furcht, durch den Mann die eigene Identität zu verlieren. In ihrem Tagebuch heißt es:

"Ich denke, aber meine Gedanken sind die seinen, ich sehe die Dinge, aber aus seinem Blickwinkel. Das ist schlimm... Ich werde nicht er werden, und meine Persönlichkeit werde ich verlieren."

Er bemerkte ihren inneren Widerstand und notierte seinerseits: "Sie ist jung, es gibt vieles, das sie an mir nicht versteht, und vieles, das sie meinetwegen unterdrückt. Und die Opfer, die sie bringt, wird sie mir eines Tages zuschreiben."

Wirklich hat sie ihm eines Tages diesen Schuldschein ausgestellt, schreibt die Tochter, aber erst sehr viel später. Ihre Bereitschaft, ihm immer noch neue Opfer zu bringen, hörte auf, als er von ihr und der ganzen Familie verlangte, ein Leben in größter Einfachheit, ja in Armut; zu führen. Gerade als er berühmt geworden war und der Erfolg seiner Arbeit sich endlich finanziell auszahlte, da kam er plötzlich zu der Überzeugung, daß Reichtum und Wohlstand Unrecht seien. Dies war keine vorübergehende Marotte, sondern eine geradezu religiöse Erleuchtung, die ihn existentiell traf.

Er liebte seine Frau, er liebte, seine Kinder, aber er haßte seinen Wohlstand und ihren Lebensstil so sehr, daß er zeitweise. fürchtete, sich deswegen das Leben zu nehmen. "Während solcher Perioden verstanden wir ihn nicht", schrieb die Tochter, "seine Ideen schreckten uns, ohne uns zu überzeugen."