Monika Sperr: "Die Freundin", Roman. Die Münchner Autorin hat ihren ersten Roman geschrieben. Auch wenn Anna Pannewitz, 38, Kindergärtnerin von Beruf und als Charakter, sich nicht. im Hort befindet, geplagt von ihren Vorschulgroßen, wird sie den Stress nicht los. Seit der Trennung von ihrer Freundin Edith Wallner lebt sie zwar als "alleinstehende Frau" in ihrer zweizimmrigen Dachgeschoßwohnung, doch diese Wohnung teilt sie ständig mit Leuten, denen sie sich freundschaftlich verbunden fühlt Mal liefert der Ex-Ehemann seine Tochter, mal eine verheiratete Freundin den Geliebten bei ihr ab. Außer mit den ruinösen Beziehungstroubles ihrer Edith muß sie sich auch noch mit verbeamteten Grundgesetzschützern herumärgern, die ihr unbotmäßige politische Aktivitäten vorwerfen. Es geht nicht gerade drunter und drüber in diesem mit viel Schwung und Ironie geschriebenen Gegenwartsroman, doch so lebhaft zu, daß der Leser zu einem bestimmt nicht kommt – sich zu langweilen. (Bertelsmann Verlag. München, 1980; 288 S., 32,– DM.)

Jürgen Lodemann: "Lynch und Das Glück im Mittelalter." Erich Fromm in einem Brief an den

Autor: "Sie haben eine schwierige Aufgabe erfolgreich bewältigt. Die Beschreibung des Übergangs vom, Mittelalter zur modernen Welt. Die Personen, die Sie zeichnen, und ihre Lebensweise, ist so anschaulich, daß man sich bei ihren Festen gegenwärtig fühlt. Doch das Faszinierendste ist die Behandlung des Themas, das man die Tragödie der Gerechtigkeit nennen könnte, die Tragödie des guten Menschen." In "Lynch" wird balladesk die (historische) Geschichte dessen erzählt, der als erster für den Wortgebrauch "lynchen" sorgte, die Geschichte des irischen Richters und Lord Mayors aus englischem Geblüt, dessen Wirtschaftswunder die Wurschtigkeit der irischen Eingeborenen entgegensteht, dessen aufgeklärtem Protestantismus sie ihren

lässigen Katholizismus entgegensetzen. Das ökonomische Wunder gerät ins Rotieren, wird zum Fall. "Man will dem Sog der Erzählung gar nicht widerstehen. Man hört darin das Echo unserer Tage" (Jörg Drews). (Diogenes Verlag, Zürich, 1980; 322 S., 9,80 DM).

Gerhard Pranse: "Herodes der Große, König der Juden." Herodes war kein Kindermörder und keineswegs das größte Scheusal der Welt, als das er jahrhundertelang in zahlreichen Werken der Weltliteratur, der Musik und der Malerei verleumdet wurde. Herodes war auch kein blutrünstiger Tyrann, der aus purer Mordgier seine Frau Mariamme und drei seiner Söhne ums Leben gebracht hätte. In Wahrheit war Herodes, der in enger Zusammenarbeit mit dem ihm befreundeten Imperator Augustus den Weltfrieden zu erhalten suchte, einer der erfolgreichsten Politiker der Antike, ja, einer der bedeutendsten Herrscher, den das jüdische Volk in seiner langen Geschichte je gehabt hat; er brachte den Juden einen dreißigjährigen Frieden und einen bis dahin unerreichten Wohlstand. Daß das historisch wahre Bild dieses Mannes, Wissenschaftlich längst belegt, endlich ins allgemeine Bewußtsein eindringt, ist auch ein Verdienst der vor drei Jahren bei Hoff mann & Campe erschienenen Herodes-Biographie, die jetzt als Taschenbuch vorliegt (Heyne-Biographie 73, 396 S., mit Karten, Illustrationen, Register und Zeittafel, 1980, 8,80 DM.)