Von Dieter E. Zimmer

Michael Auracher ist Bauer. Kein Agrobusiness-Mann, sondern tatsächlich noch Bauer. Sein Hof – 34 Tagewerk Wiesen und Wald – liegt im oberbayerischen Wiesenhügelland: Von der Höhe aus sieht man an klaren Tagen bis zum österreichischen Wendelstein hinüber, in der anderen Richtung liegt, unten in der Senke, die für einen scharfen Käse bekannte Kreisstadt Miesbach. Der Boden hier ist karg; Äcker gibt es kaum. Michael Auracher hat 23 bunte bimmelnde Kühe und sieben Kälber, teils mit der Flasche aufgezogen. Jede hat ihre Eigenheiten. Schon darum hat er nie Ferien gemacht: Jemandem, der seine Tiere nicht kennt, überließe er sie nie. Er liebt sein "Viech" ("metzgern konn i net"), er liebt sein Land. Wenn er davon spricht, merkt man, er fühlt sich verantwortlich nicht nur dafür, daß es ihn ernährt, sondern auch daß es "eine Zierde" ist.

Sein Arbeitstag beginnt mit Sonnenaufgang und endet mit Sonnenuntergang. Dann, sagt die Bäuerin, schläft er vor Müdigkeit manchmal über dem "Miesbacher Merkur" ein. Kühe müssen auch an Wochenenden gefüttert und gemolken werden; zum Ausruhen bleibt ihm vielleicht ein halber Sonntag, wenn er sich nicht gerade um seine Bienen kümmern muß. Im Winter verbringt er viel Zeit im Keller bei der Destillieranlage: Da brennt er – 300 Liter sind ihm erlaubt –, einen fabelhaften Birnenschnaps. In der wenigen Zeit, die ihm übrig bleibt, forscht er seinen Vorfahren nach; bis ins fünfzehnte Jahrhundert hat er die Aurachers zurückverfolgt.

Als er den Hof vor 22 Jahren (er war damals 30) von seinen Eltern übernahm, das schöne, aber morsche alte Haus abriß Und ein neues hinbaute, hat er Tag und Nacht gearbeitet, wie er sich erinnert: Keine einzige Maurerstunde steckt in dem neuen Gebäude. Die Arbeit hat ihn nicht kleingekriegt, Krankheiten kann er sich nicht leisten. Er erzählt davon ohne jede Verbitterung, immer wieder lacht er vergnügt und pfiffig. Allerdings, die Frage bleibt: Wird einer seiner zwei Söhne den Hof einmal übernehmen wollen? Der Älteste macht eine Mechanikerlehre, der zweite geht noch zur Schule. Wie er davon spricht, klingt es, als könnte er es ihnen nicht einmal ganz verdenken, wenn sie, wie so viele andere, ein geruhsameres und gesichertes Auskommen irgendwo in Industrie, Handwerk oder Handel suchten. Aber was soll dann aus dem Land werden? Wird alles bebaut? Verkommt es?

Seine Gemeinde ist Bergham. Sie ist vor einigen Jahren unter Protest dem nahen Miesbach eingegliedert worden. Miesbach hat einen Bürgermeister, der der SPD angehört, aber das liegt an dem Mann und nicht an den parteipolitischen Sympathien der Miesbacher. Über 63 Prozent wählen hier CSU; CSU wählt auch Michael Auracher. An bestimmten Politikern liegt das offenbar nicht. "Ach, da lüagt ja jeder wia’s e braucht. Das ist ja heut so: Hauptsach, i erwisch den Posten, und wenn i no drei Joahr hinbekimma, hoab i mei Renten scho."

Der Ertl? "Der ist mir eigentlich scho sympathisch, aber in der foischen Partei is er. Der unterstützt ja gerad die Partei, die von mir aus gsehn den Kommunismus fördert, weil sie beieinander is mit der SPD. Die FDP, obwohl sie nit groß is, is ja förmlich schuld daran, daß die SPD so lang regiern kann."

Was hat er gegen die SPD? "Die oalte SPD gibt’s meiner Ansicht nach nimmer. Die Leut, wo an der Spitze sein, die sein gschulte Kommunisten, wo man direkt weiß, daß sie in Moskau gwesen sein, und die Jungen, woas nachwachsn, des weiß auch jeder, woas die für a Einstellung hoabn. Die hoabn mit der SPD nichts mehr zu tun, die sind ja fast kommunistisch eingestellt. Deswegen wähl i die andern."