Das Düsseldorfer Bankhaus Trinkaus & Burkhardt veröffentlicht erstmals Schätzungen über die Unternehmensgewinne für 1981. Ihnen liegen folgende Prämissen zugrunde:

  • Der starke Energiepreisanstieg und die restriktive Notenbankpolitik werden zu einem sich weiter abschwächenden Wirtschaftswachstum führen, wobei der Tiefpunkt in die erste Jahreshälfte 1981 fallen dürfte.
  • Die Trendwende wird sich aus einer Belebung der Konsumnachfrage als Folge der geplanten Steuererleichterungen, aus: energiesparenden Investitionen sowie aus währungsbedingt verbesserten Exportaussichten ergeben.
  • Der Preisanstieg wird sich abschwächen, so daß kein voller Ausgleich des Kostenanstiegs möglich ist. Dadurch werden die Erträge unter Druck geraten.
  • Die konjunkturelle Wiederbelebung im II. Halbjahr 1981 und die dann bessere Kapazitätsauslastung werden eine Wende in der Ertragsentwicklung bringen.

Ob indessen das Konjunkturbild im kommenden Jahr tatsächlich so aussehen wird, steht auf einem anderen Blatt. Zweifel sind zumindest hinsichtlich der Wirkung der Steuererleichterungen auf den Konsum angebracht. Denn schon heute steht fest, daß ein großer Teil dieser Erleichterungen durch höhere Fiskalabgaben wieder kompensiert werden wird.

Dennoch bleibt interessant, welcher Gesellschaft überhaupt ein weiteres Gewinnwachstum zugetraut wird. Im Chemie-Bereich ist es Schering, wo Trinkaus sowohl für 1980 als auch für 1981 wachsende Erträge prognostiziert. Im Maschinenbaubereich wird Mannesmann 1980 zwar einen weiteren Gewinnschwund erleiden, der sich aber im kommenden Geschäftsjahr in einen kräftigen Anstieg des Gewinns verwandeln wird.

Von den Elektrokonzernen wird Siemens Gewinnstabilität vorausgesagt. Tendenziell steigende Erträge gibt es nach Trinkaus bei den Warenhausunternehmen, die schon in diesem Jahr bessere Abschlüsse als 1979 vorlegen werden.

Bemerkenswert ist, daß Trinkaus der Commerzbank zutraut, ihr ohnehin recht mageres 1979er Ergebnis im Jahre 1980 halten zu können. Für 1981 wird dann eine deutliche Gewinnbesserungvorausgesagt. Bei der Dresdner Bank soll das Ergebnis je Aktie schon in diesem Jahr steigen und sich 1981 kräftiger verbessern. Das Ergebnis der Deutschen Bank wird stetig wachsen und im Jahre 1981 mit 27 Mark je Aktie das der anderen beiden Großbanken weit hinter sich lassen. Dicht auf den Fersen ist lediglich die Bayerische Vereinsbank mit einem geschätzten Ergebnis je Aktie für 1981 von 23 Mark.

Zweifellos hat sich Trinkaus mit seinen Vorhersagen weit vorgewagt. Immerhin zeigen sie, daß die Börsenzukunft alles andere als grau in grau sein muß. Möglicherweise nähern wir uns sogar dem Idealfall, der dann gegeben ist, wenn liquiditätspolitische Erleichterungen, also Anregungen von der monetären Seite her, und die Aussicht auf bessere Unternehmensgewinne zusammentreffen. Die Trinkaus-Voraussage macht aber auch deutlich, wie differenziert die Konjunkturentwicklung verlaufen wird. K. W.