Vermarktete Bundeswehr

Das 25jährige Bestehen der Bundeswehr – am 12. November 1955 erhielten die ersten Freiwilligen, ihre Ernennungsurkunden – wird auch kommerziell genutzt. Eine Münchener Firma läßt aus diesem Anlaß Gold- und Silbermedaillen prägen, die auf der Vorderseite typische Waffen der Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine und auf der Rückseite das Balkenkreuz zeigen. Werbespruch für die limitierte Serie: "Die Bereitschaft jedes Soldaten zum treuen Dienen verdient Dank und Anerkennung. Unsere Edition soll einen Beitrag hierzu leisten."

Neues von Höffner

Spät erwacht, hat die Bundesregierung nun sorgfältig neue Hinweise auf einen Konfrontationskurs des Kardinals Höffner und der Seinen registriert. Die deutschen Bischöfe, so der Eindruck, arbeiteten bei den Vorbereitungen des Papstbesuchs, der für den November in der Bundesrepublik geplant ist, zielstrebig darauf hin, daß Kanzler und Papst am besten überhaupt nicht miteinander in Berührung kämen, jedenfalls schon gar nicht im Kanzleramt, – allenfalls könnte Schmidt zu einem kurzen Höflichkeitsbesuch in die Villa Hammerschmidt geladen werden, wenn Papst Wojtyla dort beim Bundespräsidenten zu Gast ist. Das scheint sich hinter der Bischofsdevise zu verbergen: sowenig Protokoll wie möglich. Schmidt dagegen legt nun, anders als die Bischöfe, Wert auf ein angemessenes Protokoll. Und dem entspräche ein Arbeitsbesuch des Papstes beim Kanzler.

Aktueller Weltkongreß

Zu unvorhergesehener Aktualität hat die jüngste Entwicklung in Polen dem Zweiten Weltkongreß für Sowjet- und Osteuropastudien verholfen. Die seit Jahren vorbereitete Tagung, die in der kommenden Woche fast 1500 Wissenschaftler aus aller Welt in Garmisch-Partenkirchen zusammenführt, wird unter anderen so brisante Themen behandeln, wie: "Russischpolnische Beziehungen", "Gewerkschaften und Arbeit in Osteuropa", "Trends in Löhnen, Einkommen und Lebensstandard" und "Stabilität gegenwärtiger sozialistischer Wirtschaftssysteme". Die sowjetische Akademie der Wissenschaften hat die bis in alle Einzelheiten vereinbarte Teilnahme ihrer Delegierten inzwischen per Telegramm abgesagt. Auch offizielle Vertreter aus Ungarn haben einen Rückzieher gemacht, während von polnischen Wissenschaftlern noch keine Absagen vorliegen. Zum Kreis der amerikanischen Teilnehmer gehören Ronald Reagans ostpolitische Berater, die Professoren Richard Pipes und Richard Starr. Die sowjetischen Systemkritiker werden unter anderem durch Andrej Amalrik und Andrej Sinjawskij vertreten.

Heiße Gewässer

Die spanische Marine hat eine "taktische Übung" in den Gewässern der Kanarischen Inseln begonnen, unterstützt von der Luftwaffe. Größtes Schiff ist der Hubschrauber-Träger Dedalo. Die fischreichen Gründe zwischen den Kanaren und der marokkanischen Küste sind umstritten, und als dritte "Macht" mischt die westsaharische Befreiungsbewegung POLISARIO mit, die schon mehrfach spanische Kutter aufgebracht hat. Sie wirft Madrid vor, die Westsahara entgegen früheren Abmachungen Marokko überlassen zu haben, und hat sich offenbar der Hilfe Kubas versichert, das wiederum auf die Unterstützung der zahlreichen sowjetischen Trawler in diesem Atlantikabschnitt rechnen kann.