Gegen ein hohes Lösegeld warden die beiden Töchter des Fernsehjournalisten Dieter Kronzucker und ihr Vetter Martin Wächtler freigelassen. Von den Kidnappern fehlt jede Spur.

Ein Jagdhüter fand Susanne, 15, und Sabine Kronzucker, 13, und Martin Wächtler, 15, in einem verlassenen Gehöft in der Nähe des toskanischen Dorfes Casole d’Elsa. Sie waren am 25. Juli aus ihrer Ferienwohnung, einem Landhaus des Fürsten Orsini südlich von Florenz, verschleppt worden.

Der Entführungsfall hatte in Italien großes Aufsehen erregt. Die Polizei löste die größte Fahndungsaktion seit der Ermordung Aldo Moros 1978 aus. Sie konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß der italienische Staat dem organisierten Kidnapping praktisch machtlos gegenübersteht.

Die Sicherheitsorgane befinden sich immer wieder in einer schlechten Ausgangslage, weil die erpreßten Angehörigen meist zahlungswillig sind und direkten Kontakt zu den Kidnappern aufnehmen. Deshalb beschlagnahmen die Fahnder oft das Lösegeld, das zur Übergabe bestimmt ist.

Im Fall Kronzucker hatte der florentinische Staatsanwalt, der die Ermittlungen übernahm, von dieser Maßnahme abgesehen. Er stellte die Fahndung ein und auch die, Medien hielten sich mit ihrer Berichterstattung zurück, um die Kinder nicht zusätzlich zu gefährden.

So konnte sich der Erzbischof von Florenz, Giovanni Benelli, als Vermittler einschalten. Ein Abgesandter des Erzbischofs überbrachte das Lösegeld in Höhe von 4,4 Millionen Mark. Diese Summe hatten die Entführer am 22. September in einer Botschaft gefordert, die von Susanne Kronzucker geschrieben worden war.

Nachdem die Kinder freigelassen worden waren, erhoben die Untersuchungsbehörden Vorwürfe gegen „hochgestellte Persönlichkeiten“. Sie hätten die Ermittlungen erschwert – eine Anspielung auf Kardinal Benelli, der auch zu einem Verhör vorgeladen wurde. Die Justiz befürchtet, daß das Zusammenspiel von Erpreßten und Vermittlern an der Kriminalpolizei vorbei Schule macht. -re