Ehrenwert

„Der Aufstand“ von Peter Lilienthal, einem Regisseur, dem man Respekt nie verweigern kann, einem Spezialisten für große, heikle Stoffe („Es herrscht Ruhe im Lande“, „David“), aus denen er unaufgeregte intime Filme macht. An Lilienthals (mit vielen Preisen ausgezeichneter) Redlichkeit mag man also gewiß nicht zweifeln, und wenn einer wie er (selber in Lateinamerika aufgewachsen, Emigrant, Jude) dem Volksaufstand in Nicaragua einen Film widmet, erwartet man keine kulinarische Revolutionsoper. Schon im November 1979 fuhr Lilienthal mit seinem Team (Kamera: Michael Ballhaus) nach Leon, um mit einheimischen Laien den Kampf der sandinistischen Befreiungsfront nachzuzeichnen. Das hätte spannend werden können, aber der Regisseur beschränkt sich darauf, am Beispiel eines klassischen Vater/Sohn-Konflikts (der Alte im Revolutionslager, der Junge in der Somoza-Armee) allzu bekannte Vorgänge zu illustrieren. Die Bösen tragen grüne Uniformen, die Guten bunte Hemden, und da wohl niemand im Publikum auch nur die geringsten Sympathien für den Somoza-Terror hegt, wird das holzschnittartige Revolutions-Fresko bald langweilig. Und zum Hohen Lied der Solidarität fehlt Lilienthal die inszenatorische Kraft.

Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

„Freibeuter des Todes“ von Michael Ritchie, die Verfilmung des jüngsten Bestsellers („The Island“) des auf Wasser-Thriller spezialisierten Autors Peter Benchley („Der weiße“ Hai“, ,,Die Tiefe“), beginnt mit einigen drastischen Effekten, die an Carpenters „The Fog“ erinnern (geheimnisvolle Gestalten aus dem Meer attackieren friedliche Fischer) und endet mit einem Maschinengewehr-Massaker, das sich an Peckinpahs „The Wild Bunch“ inspiriert. Dazwischen liegen neunzig Minuten finstersten Schwachsinns, die vom französischen Star-Kameramann Henri Decae denn auch dankenswerterweise zumeist in düsterer Nacht belichtet werden. Die Idee, das Rätsel des Bermuda-Dreiecks, des spurlosen Verschwindens von Schiffen in der Karibik, zu „erklären“ mit den Aktivitäten der Abkömmlinge englischer Piraten aus dem siebzehnten Jahrhundert, ist mit seiner Kombination von Kindheits-Phantasie und Katastrophen-Realität außerordentlich reizvoll – als Satire. Michael Ritchie, einer der intelligentesten Satiriker des amerikanischen Kinos („Smile/Lauter nette Mädchen“; „Semi-Tough/Zwei ausgebuffte Profis“) schafft hier nur eine unfreiwillige Satire. Die todbringenden Freibeuter, bärtig und zahnlos, wirken wie eine Ansammlung altersschwacher Hell’s Angels, die sich auf eine Karibik-Insel zurückgezogen haben. Diesem inzestgeschädigten Haufen kann auch Michael Caine als unfreiwilliger Sex-Sklave nicht zu neuem Leben verhelfen. Dem Film auch nicht.

Helmut W. Banz

Ärgerlich „Spetters“ von Paul Verhoeven ist ein Versuch, das Lebensgefühl junger Aussteiger („Spetters“ werden sie in Holland genannt) zu porträtieren. Regisseur Paul Verhoeven und sein Drehbuchautor Gerard Soeteman, die in den letzten zehn Jahren zum kommerziell erfolgreichsten Team des niederländischen Kinos avancierten („Was sehe ich?“, „Türkische Früchte“, „Das Mädchen Keetje Tippel“), offerieren in ihrem fünften gemeinsamen Spielfilm nicht mehr türkische Früchte, sondern nur noch Kraut und Rüben: eine ärgerliche Mischung aus halbherziger Sozialkritik, kümmerlichen Ansätzen zur Satire und spekulativen Sexeinlagen. Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme „Willkommen, Mr. Chance“ von Hai Ashby. „Edouard, der Herzensbrecher“ von Philippe de Broca. „Gloria“ von John Cassavetes. „Der Preis fürs Überleben“ von Hans Noever. „Peeping Tom“ von Michael Powell. „Christus kam nur bis Eboli“ von Francesco Rosi. „Deutschland, bleiche Mutter“ von Helma Sanders-Brahms. „Ein Mann für gewisse Stunden“ von Paul Schrader.