Von Julius H. Schoeps

Das Verhältnis der Juden zu den Völkern ist heute vom Trauma Auschwitz bestimmt. Im jüdischen Denken und Fühlen hat der Holocaust tiefe Narben hinterlassen. Der Untergang der europäischen Judenheit, der von der Welt geduldete, durch Schweigen und mangelnde Hilfsbereitschaft unterstützte Massenmord an den Juden Europas wirkt nach, wird jüdische Existenz auch in Zukunft noch beeinflussen. Die Angst vor der Wiederkehr des Grauens sitzt tief. Verdrängen läßt sie sich nicht, und zwar schon deshalb nicht, weil bis heute vieles ungeklärt blieb.

Wie konnte es dazu kommen, daß eine Kulturnation im Herzen Europas der Barbarei verfiel? War es nur die logische Konsequenz einer biologisch begründeten Rassenideologie, die sich zur Rassenmythologie gesteigert hatte? Oder waren es die Wahnideen eines Verrückten, der Subalterne aller Ränge und Schichten durch Ideologie, Mythos und Terror dazu gebracht hatte, fabrikmäßig zu morden?

Den Fragen nachgegangen ist der Historiker