Von Elke Kummer

Engagierter Journalismus, der seinen Anspruch nicht adäquat darstellen kann, weil in den Massenmedien für ihn keine Formen der Vermittlung vorgesehen sind, sucht einen Ausweg. Die ohnehin mit ihren Gattungen experimentierende Literatur bietet sich als einer der letzten Freiräume an, in welchem die Verbreitung politisch unterdrückter Information und von den gesellschaftlichen Institutionen unerwünschten Zweifeins noch einen persönlichen Ausdruck finden kann.

Nicht literarischer Anspruch, sondern die Erweiterung journalistischer Möglichkeiten ist die Annäherungsweise, mit der hier eine authentische Geschichte, in die Form einer Fiktion gekleidet, erzählt wird: Ihre Begegnung mit Alexandras Panagoulis, dem Dichter, der schon zu Lebzeiten ein Symbol des griechischen Widerstands gegen die Junta war, begann-mit einem jener harten Interviews, für die Italiens Starjournalistin berühmt ist, und wurde zu einer tiefen, gefährdenden Liebe; sie verband Ideale und moralisches Engagement mit der Anziehung und den Gefühlen zwischen Mann und Frau.

Die drei Jahre ihres dramatischen Zusammenlebens wurden durch seinen gewaltsamen Tod abrupt beendet; sie leistete noch einmal so lange schreibend Trauerarbeit.

1979 in Italien erschienen und im ersten halben Jahr gleich 600 000mal verkauft, inzwischen in mehrere Sprachen – jetzt auch ins Deutsche – übersetzt, ist der dabei entstandene Dokumentar-Roman von –

Oriana Fallaci: „Ein Mann“, Roman; Kindler Verlag, München, 1980; 566 S., 38,– DM ihr wieder einmal zum Bestseller geraten. Mit der minutiösen Rekonstruktion der politischen Biographie von Alexandras Panagoulis gelingt es ihr, seine Ideen weit über Griechenland hinaus = zu verbreiten. Sie verleiht seinen politischen Niederlagen damit nachträglich einen Sinn und versucht gleichzeitig, ihre eigene Niederlage in dieser Liebe zu bewältigen.

Alekos Panagoulis hatte im August ’68, „um dem griechischen Volk seine Würde wiederzugeben ein Attentat auf den Chef der Junta versucht. Von den Bomben unter jener Brücke, über die Papadopoulos fuhr, explodierte nur eine; die Junta blieb, Panagoulis wurde verhaftet.