DIE ZEIT

Ein holpriger Anfang

Vom großen Wurf redet niemand, manche sprechen sogar von einem verkappten Haushaltssicherungsgesetz. Jedenfalls regierte bei den Koalitionsverhandlungen der Rotstift.

Mit Reagan in die Traufe?

Der lange, lärmende und lähmende Wahlkampf Amerikas ist vorüber. Die Vereinigten Staaten haben einen neuen Präsidenten: Ronald Reagan.

Kurt Becker nach Bonn

Der Bundeskanzler will Kurt Becker, den stellvertretenden Chefredakteur der ZEIT und Leiter; ihres politischen Ressorts, als Nachfolger von Staatssekretär Klaus Bölling zum Regierungssprecher und Chef des Bundespresse- und Informationsamtes berufen.

Zeitspiegel

Die Bonner sind sauer, auf den Kanzler und überhaupt. Protokollarische Kompromisse, bei denen auch Helmut Schmidts Verlangen eine große Rolle spielte, mit dem Papst nicht nur am Rande eines Empfangs zusammenzutreffen, haben das Schloß Augustusburg bei Bonn zur Tagesresidenz des katholischen Oberhaupts werden lassen.

Worte der Woche

"Die staatliche Ordnung, in der wir leben, ist fundamental vom Unrechtsstaat des Dritten Reiches unterschieden. Niemand ist deshalb berechtigt, Widerstand gegen staatliche Anordnungen damit zu rechtfertigen, daß er ein angeblich höheres Recht für eigene Verstöße gegen das Recht in Anspruch nimmt.

Ein heiterer Ellbogen-Mann

Bei internationalen Währungskonferenzen ist es schön Tradition, daß der Bundesfinanzminister die mitgereisten deutschen Bankiers unter den Schlachtenbummlern zu einem Treffen in die deutsche Botschaft in Washington einlädt.

Bauern und Beamte geschont

Sparen heißt die Devise der Bonner Koalition für die nächsten vier Jahre. Von den zum Teil schmerzhaften Abstrichen bei den Staatsausgaben blieb so gut wie kein Ressort verschont.

Synode der Evangelischen Kirche: In Erwartung des "Bruders" Papst

Erst der Streit um die Sonderaudienz bei Papst Johannes Paul II. in Mainz, dann die Auseinandersetzung um das Luther-Pamphlet in einem katholischen Vorbereitungsheft – beides rief bei den führenden Protestanten einen bedenklichen antirömischen Affekt hervor, vor allem bei den Gegnern der Ökumene auf dem rechten Flügel.

Polen: Zugeständnisse und Drohungen

Nach kurzer Atempause steht Polen am Kreuzweg zwischen neuer Konfrontation und erster Stabilisierung. Am Wochenende entscheidet der Oberste Gerichtshof über den Berufungsantrag der unabhängigen Gewerkschaft "Solidarität" gegen die eigenmächtige Änderung ihrer Statuten.

Preuße aus Pommern

Einer der ungewöhnlichsten Offiziere der deutschen Geschichte, Panzergeneral a. D. Gerhard Graf von Schwerin, ehedem Kadett und Fahnenjunker im 2.

Sowjetunion: Rüstungsstudie

Die Sowjetführung hat in den vergangenen Jahren – wie gerade jetzt wieder vor dem Obersten Sowjet – regelmäßig geringfügige Rüstungskürzungen angekündigt.

Jamaika: Ruck nach rechts

Die vorgezogene Abstimmung war von blutigen Auseinandersetzungen begleitet, die mehr als 500 Tote forderten. Zur Wahl stand nämlich nicht nur die "Sozialistische Volkspartei" des Premierministers Michael Manley, sondern auch die Entscheidung über das – Chile vergleichbare – Experiment eines demokratischen Sozialismus.

Amerika: Reagan siegt

Der 40. Präsident der Vereinigten Staaten heißt Ronald Reagan. Der ehemalige Gouverneur von Kalifornien und Ex-Filmschauspieler errang einen überwältigenden Sieg über den derzeitigen Amtsinhaber Jimmy Carter.

BONNER BÜHNE: Schlieffen und Canossa

Am Wochenanfang sind in Bonn allerhand Lexika gewälzt worden. Das hat Fritz Zimmermann von der CSU bewirkt, mit seinem geheimnisvollen Hinweis auf einen "Schlieffen-Plan" der Opposition gegenüber der FDP.

Frankreich: Antwort der Partei

Vor zwei Jahren versicherte der französische Kommunistenchef George Marchais, die Zeit der Parteiausschlüsse sei endgültig vorüber.

Iran: Keine Vermittlung

Der Krieg am Golf konzentriert sich weiterhin praktisch ausschließlich auf die iranische Erdölprovinz Chusistan. Gekämpft wird auch an zwei Grenzabschnitten weiter nördlich, auf der Höhe von Quasr-e-Schirin, über die die Straße von Bagdad nach Teheran führt, und auf der Höhe von Mechrin.

Wolf gang Ebert: Hoher Besuch

"Oh Gott, Sie haben mich also doch gefunden... jetzt bin ich meines Lebens nicht mehr sicher...", sagte er und ließ uns herein.

Neu auf dem Pressemarkt: Kieler Rundschau: Liberal bis links

Kennt jeder die Geschichte von der alten Frau, die ihr Haus kunstvoll mit Zuckerwerk ausschmückte, um eines Tages erleben zu müssen, wie zwei naschhafte Kinder darangingen, alles zu zerstören? Es ist die Geschichte von Hänsel und Gretel, die von ihren Eltern vor die Tür gesetzt wurden und bei der sonderbaren Alten Obdach und Nahrung bekamen.

Randgruppen: Zu schön für Zigeuner?

In der Hamburger Bürgerschaft ist ein Streit um eine Zigeunersippe entbrannt, die schon seit über 200 Jahren in dieser Stadt lebt, und zwar unter erbärmlichen Umständen.

Baden-Württemberg schenkt der Kirche Land zurück: Immerwährend und ausschließlich

Das Papier trug nichts, was besondere Aufmerksamkeit hätte erregen können. Ohne das Landeswappen und die schmucken blauen Streifen zu bemühen, die sonst Erfolgsmitteilungen aus dem Stuttgarter Finanzministerium zu zieren pflegen, teilte die hohe Behörde dem baden-württembergischen Landtag ein Geschäft von säkularer Bedeutung mit: Vierhundert Jahre nach der Verstaatlichung und vier Wochen nach dem Hirtenbrief der katholischen Bischöfe zur Bundestagswahl erklärt sich die CDU-Landesregierung bereit, der Evangelischen Kirche in Württemberg 843 Hektar.

Rabenvater Staat

Je weniger die Beschäftigten der Deutschen Bundespostverdienen, desto größer ist ihre. Chance, früher als andere in Pension zu ge" hen.

Steuern: Gleicher als gleich

Wenn man Alkohol höher besteuern müsse, um den Staatshaushalt zu entlasten, darf, darauf verweist die Branntweinindustrie mit Recht, der Verfassungsgrundsatz der Gleichbehandlung nicht verletzt werden.

Deutscher Wein: Klebrige Spuren

Schwarze Schafe gibt es überall. In der Weinwirtschaft allerdings scheinen sie ihr Unwesen besonders unauffällig treiben zu können.

Italien: Oben fündig geworden

Diesmal braucht man nicht tief nach dem schwarzen Gold zu bohren", kommentierte die Mailänder Zeitung 11 Giornale amtliche Ankündigungen, man werde dem neuen italienischen Ölskandal auf den Grund gehen: "Aus den durchlässigen Schichten sprudelt es schon von selbst.

Großbritannien: Ein Stern ging auf

Das Pfund Sterling ist gegenwärtig der hellste Stern am internationalen Währungshimmel. Das ist ein dramatischer Wechsel der Konstellation innerhalb von nur vier Jahren, als die britische Devise wie eine Sternschnuppe zu verglühen drohte.

Die Staatsschulden Japans: Lehrstück für Bonn

In seiner Regierungserklärung malte Japans neuer Premier Suzuki die Gefahr einer nationalen Katastrophe an die Wand: Nicht Nahostkrieg, Energieengpässe oder Außenhandelssorgen verliehen der Zukunftsvision ihre Düsternis, sondern die desolate Verfassung der japanischen Staatsfinanzen.

Nach der Einweihung eines Montagewerkes in USA hat Daimler-Benz in 32 Ländern 38 Auslandsfabriken: Wie ein bunter Flickenteppich

Wenn nun Gerhard Prinz, seit fast einem Jahr Nachfolger im Amt des Vorstandsvorsitzenden des Automobilkonzerns, dieses Thema genauso gern spielt, ja versucht, es für die ausländischen Werke des Automobilkonzerns zu variieren, so hat dies wenig mit Pietät, sehr viel aber mit dem wirtschaftlichen Erfolg zu tun, den ein solcher Produktionsverbund, eine Arbeitsteilung also, nach sich zieht – wenn er denn, wie hierzulande, funktioniert.

Ende des Wachstums?

Nullwachstum, vor Jahren noch von einigen Ökonomen als Heilmittel gegen die vielfältigen Probleme in den hochindustrialisierten Ländern betrachtet und gefordert, ist nun Tatsache geworden, wenn auch unfreiwillig.

Hart betroffen

Pieper: Mit dieser Entscheidung erleidet die deutsche Stahlindustrie den schwersten Eingriff in ihre Unternehmenspolitik seit Bestehen des Kohle- und Stahl-Vertrages der EG.

MANAGER UND MÄRKTE

Was Daimler-Benz recht ist, ist der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) billig: Wenige Wochen, nachdem der größte deutsche Nutzfahrzeughersteller eine eigene Lastwagenfabrik inden USA eröffnet hat, beginnt MAN mit dem Bau eines Montagewerkes für Gelenkbusse in Cleveland (North Carolina).

ZEITRAFFER

Es geht wohl doch schon wieder aufwärts mit den Preisen. Nach einem Stillstand der Lebenshaltungskosten im September bei 5,2 Prozent rechnet das Statistische Bundesamt für Oktober mit einem Preisschub um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bretter, die Verlust bedeuten

Das Skimagazin bescheinigte dem österreichischen Skifabrikanten Franz Kneissl "das Stehvermögen eines Reiterstandbilds, die Schauspielkunst eines Laurence Olivier, die Wendigkeit einer Kobra und den Charme eines in Geldnot befindlichen Bankiers".

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