Beachtlich

„Watership Down“ von Martin Rosen. Sie sind liebenswert, die Wildkaninchen Hazel und Fiver, Bigwig, Silver und die anderen, die sich aufgemacht haben, neue Behausungen zu suchen, weil die alten von den Menschen zerstört zu werden drohen. Martin Rosen, ein in England lebender Amerikaner, der unter anderem Ken Russells „Women in Love“ mitproduzierte, hat Richard Adams’ ersten Roman „Watership Down“, bei uns 1975 unter dem Titel „Unten am Fluß“ erschienen, als Vorlage für seinen Zeichentrickfilm benutzt. Dabei hat er die Abenteuer, die die Kaninchen zu bestehen haben, ebenso filmisch umgesetzt wie die Mythologie der Geschichte. Diese freilich, als Erzählung in der Erzählung, gerät Rosen, der dafür ornamentartige, in Bonbonfarben gehaltene Zeichnungen wählte, wenig differenziert. Dagegen hebt sich die englische Landschaft, detailliert in Aquarellfarben gezeichnet, wohltuend ab von den unrealistischen, bunten, mit groben Strichen gemalten Bildern etwa eines „Dschungelbuchs“. Auch wenn die Musik zuweilen recht aufdringlich wirkt, vor allem das Lied Art Garfunkeis, ist Rosens Film mehr als so manche neuere Produktion aus der Disney-Werkstatt: Odyssee einiger hellsichtiger Einzelgänger, Allegorie auf die Gesellschaft und Utopie von – einem harmonischen Leben. Anne Frederiksen

Mittelmäßig

„Der letzte Countdown“ von Don Taylor ist nicht, wie der Titel vermuten läßt, eine Filmversion vom nuklearen Armageddon, sondern ein spekulativer Kriegs-/Polit-/Science-fiction-Thriller. Bei einer Routinefahrt im Pazifik gerät der Stolz der US-Navy, der atomgetriebene Flugzeugträger „Nimitz“ (1975 vom Stapel gelaufen), in einen seltsamen elektromagnetischen Sturm und wird 40 Jahre in die Zeit zurückkatapultiert: justament in die Dezembertage des Jahres 1941, als die Japaner zum Überraschungsangriff auf Pearl Harbor ansetzten. Ermüdende dokumentarische Passagen vom nahtlosen Funktionieren fortgeschrittener Kriegstechnik wechseln hier mit endlosen pseudo-existentialistischen Salondebatten, die darum kreisen, ob der Captain (Kirk Douglas) als unfreiwilliger Geschichtsgendarm mit seiner überlegenen Waffentechnik eingreifen und den Lauf der Historie verändern soll. Ein zweiter Zeitsturm löst dies Dilemma. Durch die hölzerne Inszenierung des Action-Routiniers Don Taylor („Flucht vom Planet der Affen“) werden die Möglichkeiten des Themas weitgehend verschenkt. Was übrigbleibt von dieser utopischen Rache-Phantasie, ist eine aufwendig-alberne Demonstration amerikanischer Allmachtsallüren, die nur ob ihrer unfreiwillig parodistischen Züge einen gewissen Reiz besitzt. Helmut W. Banz

Zynisch

„Mit einem Bein im Kittchen“ von Robert Zemeckis, dem Co-Autor der Katastrophen-Komödie „1941“ von Steven Spielberg (der hier zusammen mit John Milius als „executive producer“ fungiert), ist ein Schrottwagen-Spektakel um zwei verfeindete Brüder, die mit gebrauchten Autos handeln (Jack Warden spielt diese Doppelrolle mit vulgärer Vitalität), und einem cleveren Gehilfen (Kurt Russell), der es mit miesen Tricks zum Senator bringen will. In dieser knalligen Klamotte vom archetypischen amerikanischen Showdown zwischen dem gutgläubigen Kunden und dem gerissenen Verkäufer zelebriert Zemeckis mit rüdem Zynismus allumfassende Korruption als Kernstück des „American Way of Life“. Kein Wunder, daß „Used Cars“ (Originaltitel) in den USA zu einem Flop wurde.

Helmut W. Banz