DIE ZEIT

...und Knirschen im Bonner Getriebe

Die Spuren eines – hoffentlich – heilsamen Schreckens werden in der Bonner Koalition sichtbar. Vor allem die FDP, die in und nach den Regierungsverhandlungen hartnäckig auf ihrem Pfunde bestanden hat, gibt sich Verständigungsbereiter.

Kanzlers Fehlstart nach Washington...

Selten tat ein Bundeskanzler einen schwereren Gang nach Washington als Helmut Schmidt in der Buß- und Bettagswoche 1980, Die Bundesregierung hat das Kunststück fertiggebracht, sich zwei Dinge auf einmal zu verderben: den Abschied von Jimmy Carter und das Entrée bei seinem Nachfolger Ronald Reagan.

Immer Ärger mit „Bruder Josef“

An Josef Ertl muß schon etwas Besonderes sein. Anders ist nicht zu verstehen, wie der Bonner Landwirtschaftsminister elf Jahre aushalten konnte, was jeden anderen längst geschafft hätte: immerwährende Schelte auf breiter Front.

Zeitspiegel

Großbritanniens Premierministerin Margaret Thatcher, die „Eiserne Lady“, greift ihren Ministern jetzt selbst bei Tisch in die Taschen.

Ein Papst auf dem Boden der Reformation

Ganz klein machte sich plötzlich der Papst, tief hinab beugte er sich und kniete nieder – diesmal nicht vor einem Altar, sondern vor einem Menschen, einem von Krankheit und Leiden grausam entstellten, der ihm in der Peterskirche von Osnabrück programmwidrig in den Weg gehumpelt war.

Kameras, Kutten, Kardinäle

„Der Altar, der Leuchter, Kardinal, der Papst“ – wie nicht anders zu erwarten, brach die Syntax der Fernsehreporter zusammen angesichts der charismatischen Gegenwart des Heiligen Vaters.

Sozialistische Internationale: Ringen um die Palästinenser

Der spanische König hatte alle Hände voll zu tun. Erst empfing er die Außenminister, die zur KSZE-Nachfolgekonferenz nach Madrid wie in einen Taubenschlag einflogen; dann standen, mit Willy Brandt als Präsident an der Spitze, die Teilnehmer des Kongresses der Sozialistischen Internationale (SI) im Schloß Schlange, um dem königlichen Demokraten die Hand zu drücken.

Poker bis zwölf

An diesem Montagmorgen scheint es, als habe es den quälenden Spuk der vergangenen Woche nie gegeben. Auf den Fluren des Palacio de Congresos von Madrid dirigieren die Putzfrauen, ihre Besen fast behutsam um die Delegierten herum, die entspannt plaudernd beieinander stehen.

Verseuchung der Diplomatie

Madrid ist gerettet – aber Helsinki mußte sterben. Mit dieser resignierenden Lagebeurteilung begnügten sich die meisten Kommentare über den Kompromiß, der in letzter Minute das zweite Folgetreffen über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) ermöglichte.

Wolf gang Ebert: Unser Ami Joe

Uunserer heißt Joe. Wir beziehen ihn direkt vom US-Hauptquartier in Heidelberg. Wie die meisten Amerikaner ist er sehr gutmütig.

Uganda: Keine Wahlen?

In Uganda herrscht Chaos. Siebzehn Monate nach dem Sturz des blutrünstigen Diktators Idi Amin schlittert das Land immer tiefer in die Krise.

Türkei: Alte Probleme

In der Türkei ist die Militär-Junta ihrem Ziel, eine lebensfähige Demokratie einzurichten, bisher nicht nähergekommen. Widerstand leistet vor allem die kurdische Minderheit, die für ihre Autonomie kämpft.

Vietnam: Neue Offensive

In den vergangenen Wochen haben Artillerieduelle und Stoßtruppunternehmen an der Grenze zwischen Vietnam und China zugenommen.

Iran: Schleppender Krieg

Die iranische Armee hält den Invasionstruppen weiterhin stand. Einer neuen UN-Friedensinitiative werden Erfolgschancen eingeräumt.

Polen: Vor der Bewährungsprobe

Mit ihrem Treffen demonstrierten Parteichef Stanislaw Kania und Arbeiterführer Lech Walesa, daß die Auseinandersetzungen um die Registrierung der Gewerkschaft „Solidarität“ der Vergangenheit angehören.

Amalrik tödlich verunglückt

Amalriks Biographie ist von der Geschichte der sowjetischen Dissidentenbewegung nicht zu trennen. Anfang der sechziger Jahre war Amalrik wegen Pornographie verbannt worden – er hatte Bilder avantgardistischer Künstler gesammelt.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Mit großer Mehrheit wurde Panama von der Vollversammlung der Vereinten Nationen in den Sicherheitsrat gewählt. Panama kandidierte erst, nachdem Costa Rica für den Lateinamerika zustehenden Sitz keine Majorität fand.

Frankfurter Flughafen: Börners Bauchlandung

Auf der geplanten Startbahn 18 west des Frankfurter Flughfens hat der hessische Ministerpräsident Holger Börner eine schmerzhafte Bauchlandung erlebt: Seine südhessischen Genossen, am vorigen Wochenende zu einem Parteitag in Gießen versammelt, stimmten mit fast 80 Prozent gegen die 18 West und damit gegen ihren Regierungschef, der sich oft und auch in Gießen zu dem Bau bekannt hat.

Thron-Verzicht: Bravo, Miß Brum

Nun haben wir es mit der Welt verdorben. Bereit, eine Maid aus unseren küßten Breiten zu küren, in denen doch das Buttercreme-Weib dominiert und nicht die dunkelhäutige Gazelle oder die schönhüftige Sita, ist die selbsternannte Kurvenkommission bitter enttäuscht worden vom Hinschmiß der Krone durch die derart herausgehobene Person namens Gabriella Brum.

Brandts Bericht zum Nord-Süd-Konflikt: Munition für Reformer

Es hat lange gedauert, bis eine spanische Fassung des Berichts der Brandt-Kommission herausgekommen ist, und relativ spät hat sich deswegen Lateinamerikas Intelligenz an die kollektive Beurteilung gemacht, wohl wissend, welches Lob und welche Kritik dieser Bestandsaufnahme des Nord-Süd-Verhältnisses zuteil geworden sind.

Lateinamerika ist sich einig: Washington will seine Beziehungen zum Süden verändern. Das Miteinander wird künftig schwieriger: Mit Reagan gegen Moskaus Helfer?

Ernesto Cardenal, Priester, Dichter und nicaraguensischer Kultusminister, fand starke Worte: Ronald Reagan, der künftige Präsident in Washington, sei „ein Cowboy, der bereit ist, seinen Revolver zu ziehen und alle Indianer und Banditen auszurotten“, und die heutigen Banditen habe der neue Mann im Weißen Haus längst ausgemacht: „Das sind die Sowjetunion, die Araber und die revolutionären Bewegungen in Lateinamerika.

Tief in der Tinte

Ende September begannen bei Marks und Spencer in London die Cashmere-Pullover für Hamburger und Münchner Touristen im Preis zu klettern, von 90 über 100 auf 120 Mark.

Geschäft mit der Sicherheit: Die Lobby macht’s möglich

Der Student und VW-Busfahrer Burkhard Meinshausen findet sie schlicht „abartig“ und „ungemein gefährlich“. Als er sie das erstemal aufblitzen sah, nachts und auf einer dunklen Landstraße, stieg er verschreckt auf die Bremse und fuhr völlig verunsichert weiter.

Studentenstreich: Zweimal aussetzen!

Hamburgs Studenten dürfen frohlocken: Ihre Wohnungsprobleme scheinen einer Lösung nahe, denn seit kurzem beschäftigen sich mit ihnen die Abgeordneten der Bürgerschaft sogar in ihrer Freizeit.

Kongreß der alternativen Kommunalpolitiker: Grünes Wachstum

Grünes Chaos stand diesmal nicht auf der Tagesordnung. Aus dem enttäuschenden Abschneiden bei der Bundestagswahl vor sechs Wochen und dem schlechten Bild, das sie vorher in der Öffentlichkeit mit ihren spektakulären Parteitagen boten, haben die Grünen gelernt.

Ausländerpolitik: Der Inder soll gehen

Es ist hierzulande wieder schwieriger geworden, emotionsfrei über Ausländer zu reden. Diese Erfahrung muß seit einiger Zeit auch ein Inder machen, der mit seinem kleinen Sohn in der Bundesrepublik lebt.

Lantzke schlägt Alarm

Die Internationale Energieagentur warnt die Regierungen vor einer neuen Ölkrise

Ostkredite: Ruinöses Geld

Leonid Samjatin, der Leiter der Abteilung Auslandsinformationen im Zentralkomitee der KPdSU, hat sich nach Agenturmeldungen aus Moskau bitter darüber beklagt, daß der Westen Millionenbeträge zur Stärkung der Opposition nach Polen eingeschleust habe.

Europas Autoindustrie: Panik

Die Bosse der europäischen Autofirmen erweisen sich wieder einmal als die besten Werber für ihre japanischen Konkurrenten. Nachdem sie monatelang über die „japanische Herausforderung“ lamentiert haben – und damit die preisgünstigen Produkte aus Fernost erst recht ins Gespräch brachten –, scheuen sie jetzt nicht einmal mehr vor einem Bittgang nach Tokio zurück.

Kaiser Franz: Geld oder Sieg

Der gebürtige Jugoslawe Branko Zebec scheint noch Schwierigkeiten mit dem Leistungsbegriff im kapitalistischen Westen zu haben.

Bonner Kulisse

Die Spar-Arie, die während der Bonner Koalitionsverhandlungen dem Volke bisweilen schrill in den Ohren geklungen hat, ist noch keineswegs zu Ende.

Wohlfahrtsstaaten in der Krise: Modell im Härtetest

Heinz Oskar Vetter, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, hat sehr deutlich zu verstehen gegeben, daß er und seine Kollegen zur Zeit wenig Lust verspüren, sich wieder an der Konzertierten Aktion zu beteiligen.

Großbritannien: "Es gibt nichts umsonst"

Die Minister Ihrer Majestät, Kabinettsmitglieder und niedere Chargen, waren ganz davon angetan, daß der "Boß" eine Tradition aufleben ließ, die unter Vorgänger James Callaghan nicht gepflegt wurde.

Sparkassen: Von allen Freunden verlassen

Im Sparkassenlager herrscht eine Stimmung wie in einer Wagenburg. Seit die Koalitionsparteien ihre Absicht verkündet haben, die sogenannten Steuerprivilegien für bisher begünstigte Kreditinstitute aufzuheben, sehen die Kommandeure in der Sparkassenorganisation keine Chance mehr, den Angriff der Regierung noch abzuwenden.

Manager: Erstmals ein Deutscher

Ich habe die feste Absicht, auf dem neuen Posten für den Rest meiner beruflichen Laufbahn zu bleiben.“ Also sprach Helmut Maucher vor fünfeinhalb Jahren, als er zum Vorsitzenden der Geschäftsführung der Nestlé-Gruppe Deutschland GmbH in Frankfurt, der deutschen Holding des Schweizer Nahrungsmittel-Multi, bestellt wurde.

Bundeshaushalt: Attacke mit dem Rechenstift

Im Frühjahr beteuerte Verteidigungsminister Hans Apel am Bildschirm der „Tagesschau“: „Der Bundeskanzler hat ein unmißverständliches Versprechen abgegeben: drei Prozent Realsteigerung.

Österreich: Kampf um die fünfte Woche

Als vor etwas mehr als einem Jahr der österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) beschloß, die Forderung nach fünf Wochen Mindesturlaub für alle Arbeitnehmer auf seine Fahnen zu heften, nahmen das nur wenige Arbeitgebervertreter ernst.

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