Von Peter Christ

Der Bundeskanzler wiederholte in seiner Regierungserklärung eine alte, gleichwohl unverändert aktuelle Erkenntnis: „Vom Öl unabhängiger werden: Das ist eine entscheidende wirtschaftliche und technische Aufgabe.“

Das einfachste. und wirksamste Mittel, diese Aufgabe zu lösen, ist simples Sparen. Doch wollen des Kanzlers Mitbürger überhaupt weniger Öl verbrauchen und haben sie begriffen, daß Öl knapp wird? Die Demoskopen sind sich darüber – wen wundert’s – uneins.

Zum Weltenergiekongreß Anfang September in München präsentierte das Institut für angewandte Sozialwissenschaften (Infas) wenig ermutigende Umfrageergebnisse. Laut Infas können sechzig Prozent der Bundesbürger keine Angaben machen, welche Einrichtungen in ihrem Haushalt zum Energiesparen beitragen können, gar 79 Prozent der Befragten hatten weder höhere Energiekosten. noch knapper werdende Energieressourcen registriert. Nach zwei Ölpreiskrisen innerhalb von sechs Jahren, die das Thema Öl, Ölpreise und Energieversorgung auf Dauer in die Schlagzeilen brachten, ein deprimierendes Ergebnis – wenn es stimmte.

Denn die Meinungsforscher des Emnid-Instituts förderten ganz andere Resultate zutage. 62 Prozent der Befragten hielten die Energieversorgung für das schwierigste Zukunftsproblem, noch vor so gravierenden Themen wie Weltfrieden, Inflation oder Umweltschutz.

Bei soviel „repräsentativen“ Demoskopen-Mutmaßungen hilft nur noch die Empirie und die stimmt recht zuversichtlich: Stieg von 1960 bis 1969 der Verbrauch von leichtem Heizöl noch mit einer atemberaubenden Jahresrate von 22 Prozent und in den darauffolgenden vier Jahren bis 1973 immerhin noch um jeweils sechs Prozent, so ist seit der ersten Ölkrise 1973/74 die Trendwende deutlich sichtbar. Die Verbraucher, gleichgültig, ob Privatleute, die ihre Wohnung mit Heizöl heizen, ob Industrie, Handel oder Gewerbe, gehen vorsichtiger mit dem Ölderivat um. das ehedem für neun Pfennig je Liter zu haben war, heute aber ungefähr das Sechsfache kostet.

Die Statistiken. scheinen. allerdings auf den ersten Blick das Gegenteil zu beweisen, wenn es um den-, Heizöldurst in Haushalten geht. Denn im vergangenen Jahr verfeuerten die Privatleute unter ihren Heizkesseln 1,5 Millionen Tonnen Heizöl mehr als 1973, dem letzten Jahr ungehemmten Ölkonsums. Wurde also doch nicht gespart? Die Frage, läßt sich leicht beantworten. 1979 gab es ganz einfach ein Drittel mehr Ölheizungen als sechs Jahre zuvor. Aber der Verbrauch stieg eben nicht um dieses Drittel, sondern weit geringer. Sparsamer noch als die Haushalte waren Industrie und Gewerbe, die ‚darauf gedrillt sind, Kosten, zu kontrollieren und zu senken.