Ob Computer denken können, hängt unter anderem davon ab, was wir unter „denken“ verstehen.

Die alten Griechen haben das Denken und das Wahrnehmen gleichgesetzt. Für Homer, Xenophanes, ja, noch für Heraklit und Empedokles gab es eine enge Beziehung zwischen Denken, Sehen und Hören. Mit Platon beginnt dann die Karriere des „reinen“ Denkens: Wann immer die Seele die Wahrheit erfasse, so werde „gedacht“.

Modern gibt sich Aristoteles, der Denken als bloße Tätigkeit des Bewußtseins begreift. Anders als die Wahrnehmung sei Denken vom Gegenstand unabhängig.

Abgesehen von Descartes brillanter Tautologie des cogito, ergo sum (ich denke, also bin ich) blieb es in der europäischen Geistesgeschichte bei Aristoteles’ Begriff von „Denken“ – bis die revolutionären „Selbstdenker“ des deutschen Idealismus, allen voran Immanuel Kant, verkündeten, „daß die Vernunft nur das einsieht, wassie selbst nach ihrem Entwürfe hervorbringt“.

Biedermeierlich besann sich die „Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste“ (Band 24, Leipzig 1833) auf echte deutsche Denk- und Denkungsart: „Beim Denken versammelt die Seele Vorstellungen und Begriffe in sich und hält darüber Rat, um es zu einer Erkenntnis (Endurteil, Entscheidung) Zu bringen.“

Was Wunder, daß für Friedrich Nietzsche Denken schließlich ein „erhabener metaphysischer Wahn“ ist, „eine tiefsinnige Wahnvorstellung, welche zuerst in der Person des Sokrates zur Welt kam, – jener unerschütterliche Glaube, daß das Denken, an dem Leitfaden der Kausalität, bis in die tiefsten Abgründe des Seins reiche, und daß das Denken das Sein nicht nur erkennen, sondern sogar zu korrigieren imstande sei.“

Doch: „Wir sind nicht tüchtig, etwas zu denken“ – wie schon der Apostel Paulus im Zweiten Brief an die Korinther schrieb. Wie sollten es dann Computer weiterbringen als wir? Heiner Höfener