Eine kritische Würdigung des scheidenden BKA-Präsidenten

Von Hans Schueler

Neun Jahre lang war Horst Herold der erste Polizist der Bundesrepublik. Er hat das Bundeskriminalamt in diesen Jahren aus einer kompetenzschwachen, materiell und personell unterversorgten Behörde zu einer der schlagkräftigsten Polizeiorganisationen der Welt gemacht, nach dem Urteil der französischen Zeitung Le Monde die „bestgerüstete nächst dem FBI“. Nach der Schleyer-Entführung kombinierte er in seiner Person das Nervenzentrum des Krisenstabes, den Meldekopf für alle Informationen, die Schaltstelle für die Kontakte mit den Entführern. Der Erfolg der Befreiungsaktion von Mogadischu ist ohne ihn nicht denkbar. Noch während die Lufthansa-Boeing „Landshut“ unterwegs nach Somalia war, fischten Herolds Computer aus den Hotelmeldezetteln von Palma de Mallorca die Namen der Kidnapper heraus.

Es wird Horst Herold wenig geschmeichelt haben, daß ihn Alfred Dregger, der innenpolitische Sprecher der Union, in der Debatte über die Regierungserklärung am Freitag letzter Woche als „genialen Polizisten“ apostrophierte. Da war sein Weggang schon beschlossene Sache, das Lob der Opposition billig. Jahrelang hatte sie den Sozialdemokraten an der Spitze des Bundeskriminalamtes mit Schmähungen und Rücktrittsforderungen verfolgt. Nun hieß es auf einmal, Bundesinnenminister Gerhart Baum, Herolds Dienstvorgesetzter, habe ihn abhalftern wollen. Das ist so nicht richtig.

nichtig ist freilich, daß Herold von seinem Minister tief enttäuscht war als er im März dieses Jahres von einem Observationsunternehmen gegen die meistgesuchten Terroristen Christian Klar und Adelheid Schulz ausgeblendet wurde, das-, der Hamburger Verfassungsschutz, mit Billigung Baums verantwortlich führte – ohne Erfolg. Damals hatten auch bei den Fahndern des Wiesbadener Amtes die Lichter über Hamburg aufgeleuchtet. Herold wies wiederholt in Lagevorträgen darauf hin. Heute sagt er: „Der Minister hörte mich an und schwieg mit steinernem Gesicht.“ Der Fall harrt noch immer der Klärung.

Dahinter treten die Differenzen zurück, die es zwischen Baum und Herold schon früher gegeben hat. Sie erreichten ihren Höhepunkt im Frühjahr 1979 mit der Veröffentlichung verschiedener Versionen eines Dätenprüfberichts, der den Eindruck erweckte, als habe das Bundeskriminalamt in großem Umfang an rechtswidrig erhobenen Personendaten teil. In der letzten Fassung des Berichts blieb davon so gut wie nichts mehr übrig. Baum erkannte, daß er sein Augenmerk in Sachen Datenschutz eher auf den Bundesgrenzschutz und die Verfassungsschutzämter konzentrieren mußte. Er verständigte sich mit seinem Polizeipräsidenten.

Herolds „Stammheim“