Inszenierung der Weiblichkeit

Von Gisela von Wysocki

In seinem Buch „Arcane 17“ begründete André Breton seine Liebe, zu den „Nadjas“, zu den Kindfrauen, seines Werkes mit einem einleuchtenden Argument. Die „femme-enfant“ verfüge über einen Zustand der „Durchsichtigkeit der der Frau eine lang entbehrte Freiheit zurückgebe. sei die vom „männlichen Despotismus und seinen „ausgeklü- und in ihre

Daraufhin richtete er – so wie die Dichter des 16. Jahrhunderts aus dem Körper ihrer Geliebten ein Blumen- „Wappen“ gemacht haben – den Frauenkörper als mächtiges pflanzliches Tableau an. „Meine Frau mit Fingern von geschnittenem Heu, von Holundermark mit. einem Früblingshintern, mit einem Gladiolengeschlecht Salvador Dalí stellte seine schöne Freundin Gala als „Granatapfel“ unter Granatäpfeln dar; bei Felix Labisse – auf einem Bild, das „L’Etrangere“ (Die Fremde) heißt – verschmilzt der Körper der Frau im Wald mit den Blättern, Zweigen, Baumstämmen.

Die surrealistischen Künstler hatten sich ans Werk gemacht, die Frau, das weibliche Naturwesen, ein Stück weit aus dem katastrophalen Gang der Weltgeschichte herauszulösen. André Breton sprach vom „tumultuarischen Scheitern“ der „männlichen Ideen“. Jetzt möchte er die Frau für eine bessere Zukunft gewinnen. Der surrealistische Mann tritt seine Herrschaft ab; er delegiert sie an die Frau, die in unschuldiger Frische als Pflanze, als Engel, als Wolke, als Nadja, Ophelia, Aurora die europäische Nachkriegs-Welt (altgeworden, erstarrt und gefährdet) reinigen und verjüngen soll. Welch ein Geschenk an die Frau, diese freiwillige männliche Selbstentmachtung: Welcher Reichtum wächst ihr jetzt zu in neuen Farben, in exotischen und wilden Bedeutungen! Alles kann und darf sie sein: Obst, Gemüse, Stern, Grashalm, Vogel und Mond.

Man sieht es erst auf den zweiten Blick. Die „Natur“ der Frau blüht auf, aber in Formen, die sie verzehrbar macht. „In der Tiefe des Obstgartens bin ich reif“, sagt die Frau in einem Gedicht von Paul Eluard, und André Breton vergleicht sie, in seinem Buch „Arcane 17“, mit einer „ganzen Sommerernte“. Sind diese neuen Freiheiten „des Weiblichen“ nur erweiterte Spielarten, es zu domestizieren, zu besitzen und es schließlich zu vertilgen? Was geschieht mit dem Geschlecht der Frau, wenn es als Frucht oder Blume beschrieben wird? Welche Verführung liegt in diesen Bildern? Und welche Täuschung?

Jetzt ist ein Buch erschienen, das diese Fragen thematisiert und die surrealistischen „Inszenierungen der Weiblichkeit“ untersucht –