Von Hans Dieter Kley

Unter den Schwingen der Boeing aus Bogotá tauchen die Sümpfe Westkolumbiens und die ungezählten Bergwellen der Kordilleren Südpanamas auf. Panama City erscheint als ein weißer Klecks zwischen olivfarbenem Tropenwald und grünbraunem Meer. Eine eingedeichte Rinne deutet den Panamakanal an, und davor liegen fünfzehn, zwanzig Schiffe wie eine Versammlung von Wasserflöhen.

Früher oder später kommt jeder Globetrotter nach Panama – sei es auf einer Kreuzfahrt zwischen Pazifik und Karibischem Meer, sei es auf einer Trampfahrt mit einem Frachtschiff, auf einer Flugreise oder auf einer Autofahrt über die Carretera Panamericana von Alaska nach Feuerland.

Die Republik Panama ist etwas größer als Bayern und hat so viele Einwohner wie Hamburg; sie bildet das schmälste Stück der mittelamerikanischen Landbrücke, an ihrer engsten Stelle ist sie nur 46 Kilometer breit. Noch ist über die Hälfte des Staatsgebietes unbesiedelt, von tropischem Regenwald bedeckt. Die Bevölkerung besteht aus annähernd fünfzig Prozent Mischlingen; zwanzig Prozent sind Schwarze, zwanzig Prozent Weiße und nur zehn Prozent Indios.

Im bunten Rassengemisch von Panama City spürt man auf Schritt und Tritt, daß man sich an einer internationalen Schiffahrtsstraße, an einem Schnittpunkt des Weltverkehrs befindet. Asien, Europa und Afrika haben sich hier kräftig vermengt. Reinblütig sind die wenigsten Panamaer, und Rassendiskriminierung wird angeblich in Panama nicht geübt. Aber es fällt auf, daß in den aufwendigen Villenvierteln Neu-Panamas vorwiegend hellhäutige Menschen wohnen. Vor palmenbeschatteten Bungalows stehen zwei, manchmal drei Luxuswagen. Unter den Kindern der Privatschulen sieht man nur wenige Farbige. Klimatisierte Geschäfte halten teure Importwaren für zahlungskräftige Käufer bereit. In eleganten Stadtteilen werden Eigentumswohnungen zu fünf- und sechsstelligen Dollarpreisen angeboten. Der einheimische Balboa ist dem US-Dollar gleichgestellt.

Aus dem Ambiente der Modeboutiquen, Supermärkte, Autoschlangen und Tennisplätze Neu-Panamas bringt mich ein überfüllter Autobus in die Altstadt. Normalerweise nehmen ausländische Besucher ein Taxi. Doch die Forderungen einiger Taxifahrer kamen mir reichlich übertrieben vor, wahrscheinlich hielten sie mich für einen Nordamerikaner. Das „South American Handbook“ (eine vortreffliche Informationsquelle für Reisende in Lateinamerika) empfiehlt, auf Brieftasche und Kamera achtzugeben. Panama gilt unter Reisenden als „heißes Pflaster“ und damit ist nicht nur das feucht-schwüle Treibhausklima gemeint. Geschichten von Straßenüberfällen, Autoknackern und Drogenhändlern sind alltäglich.

In den Städten Panamas lebt über die Hälfte der Bevölkerung, hier treten die sozialen Unterschiede kraß zutage. Panama trägt hier die Merkmale eines Entwicklungslandes, – Arbeitlosigkeit, Landflucht und Analphabetentum sind weit verbreitet. Vor allem in den Neger- und Mulattenvierteln der Vorstädte brodelt es, in den Slums der Wellblech- und Pappkarton-Hütten.