„Theo gegen den Rest der Welt“: die seltsame Karriere einer deutschen Kino-Komödie

Komödien kommen kaum vor im deutschen Kino. Bei Fassbinder oder bei Herzog, bei Schlöndorff oder bei Syberberg gibt es nichts zum Lachen. Der deutsche Film ist eine ernste Sache, und warum auch nicht? Nur das Publikum, das man ja nicht ganz vergessen sollte im edlen Subventions- und Gremien-Kino, hungert offenbar nach leichten Lustbarkeiten. Ein Feind des Films, wer diesen Wunsch nicht ernst nimmt! Das weiß natürlich auch der listenreiche Kluge, der seit Jahren schon nach dem „mittleren Film“ verlangt. Anderswo heißt die Formel „Niveauvolle Unterhaltung“, was gewiß eher abschreckend klingt. Die Leute laufen derweil in den „Käfig voller Narren“ (aus Frankreich), in Woody-Allen-Filme (aus New York) und in jeden Jux aus Hollywood. Kein deutscher Billy Wilder ist in Sicht, und mit dem Namen Ernst Lubitsch schmückt sich nur fahrlässig ein Berliner Kritiker-Preis.

Krisenhafte Zeiten (nach Udo Lindenberg: „Panische Zeiten“) haben schon immer lustige Filme gezeugt. Nie ging es im deutschen Kino frivoler und ausgelassener zu als in den letzten drei Jahren vor Hitler. Jetzt haben die schwierigen achtziger Jahre, wo das Gerede vom Weltuntergang bald jede Party beflügelt, ihren ersten deutschen Krisen-Clown produziert. Der Mann heißt Theo und hat eine Geschichte.

Niemand wollte Theo haben, das schmächtige Stehaufmännchen mit den großen Sprüchen und den zappeligen Bewegungen, den proletarischen Don Quichote aus dem Kohlenpott, den Überlebenskünstler wider alle Wahrscheinlichkeiten. Drei Väter hatte Theo: einen Regisseur (Peter F. Bringmann), einen Autor (Matthias Seelig), einen Schauspieler (Marius Müller-Westernhagen).

Denen wurde lange bedeutet, ihr Theo sei ein hoffnungsloses Kümmerkind. Ein Filmverleih nach dem anderen winkte ab, bis sich der Filmverlag der Autoren endlich barmherzig zeigte und „Theo gegen den Rest der Welt“ in sein Programm nahm. Auf eine Pleite mehr oder weniger wäre es im Jahr des Elchs („Im Herzen des Hurricans“) und des Narbenmannes („Endstation Freiheit“) wohl nicht mehr angekommen, zumal Udo Lindenberg und ein anderer „Kandidat“ für ordentliche Geschäfte gesorgt hatten.

Das Schöne am Kino ist, daß alles immer ganz anders kommt: Gerade neun Wochen nach dem Start haben schon knapp 1,2 Millionen Zuschauer über Theo (das heißt: mit Theo) gelacht, der Filmverlag zählt drei Millionen Mark Verleih-Brutto-Einnahmen und sieht weiteren Millionen gefaßt entgegen. „Die Ehe der Maria Braun“ und „Nosferatu“ sind schon überrundet, nur „Die Blechtrommel“ liegt noch vor Theo.

Der ist ein Underdog, ein Verlierer, der sich gegen das Verlieren wehrt: so pfiffig wie einst die Mickymaus, Symbolfigur einer anderen Depression in einem anderen Land. Alle lieben Theo, weil sie in ihm, zum genüßlichen Kino-Format verarbeitet, ihre eigenen Existenz-Ängste wiederfinden. Theo ist eine klassische Identifikations-Figur, maßgeschneidert für die neuen Sorgen der letzten Jahre der Ära Schmidt. Mit Theo, der von der grassierenden Wehleidigkeit sich mit linkischem Grinsen absetzt, pfeifen wir im Dunkeln. Darüber darf man sich freuen, denke ich.