Von Heinz-Günter Kemmer

Die Mutter konnte reinen Herzens dementieren. Denn The British Petroleum Company Ltd, kurz BP genannt, wußte nichts von den Absichten ihres deutschen Ablegers. So beschied die Zentrale in London Journalisten auf die Frage nach einem geplanten Engagement der BP-Gruppe bei der deutschen Preussag AG mit einem deutlichen Nein. Das gleiche tat im Auftrag seines Chefs, Hellmuth Buddenberg, auch der Pressesprecher der Deutschen BP, Jochen Stachow. Dieser aber nicht so reinen Herzens wie sein britischer Kollege, weil in Wahrheit doch über den Erwerb einer Beteiligung an der Preussag gesprochen worden ist.

Die Gesprächspartner – BP und Westdeutsche Landesbank – bestreiten jedoch entschieden, daß Verhandlungen stattgefunden haben. Und damit mögen sie sogar recht haben, wenn sie an den Begriff Verhandlungen strenge Maßstäbe legen und eine erste Kontaktaufnahme noch nicht in diese Kategorie einordnen. Sicher ist, daß Gespräche stattgefunden haben.

Daß aus diesen Gesprächen keine Verhandlungen wurden, „verdanken“ die Beteiligten einer Indiskretion, die wohl mehr aus Torheit denn aus böser Absicht begangen wurde. Ein Informant steckte der Nachrichtenagentur VWD, daß zwischen BP und WestLB etwas im Busch sei. Als die Nachricht erschien, trat Funkstille ein. Welche Wirkung die Meldung hatte, beschreibt ein Insider sehr plastisch so: „Wenn man auf ein ganz zartes Pflänzchen einen großen Haufen setzt, dann geht es kaputt.“

Ob allerdings die zarten Bande zwischen BP und WestLb wirklich unwiderruflich zerrissen sind, steht auf einem anderen Blatt. Denn die über die Bühne zu bringen. Die WestLB hat nie verhehlt, daß sie an ihrem Preussag-Paket nicht sonderlich hängt. Und ehe sie sich durch eine zu erwartende gesetzliche Regelung zum Verkauf zwingen läßt – und dann die Konditionen eines Interessenten akzeptieren muß –, will sie sich von ihrem Besitz freiwillig trennen.

Es kommt hinzu, daß der größten öffentlichrechtlichen Bank der Bundesrepublik eine Gewinnaufbesserung in diesem für die Banken schweren Jahr gut zu Gesicht stünde. Und einen Gewinn würde sie schon dann machen, wenn Buddenberg für den vierzigprozentigen Anteil an der Preussag nur den Börsenwert und nicht einmal einen Paketzuschlag zahlen würde. Denn für die nominell 126 Millionen Mark, die die WestLB am Grundkapital der Preussag von 315 Millionen Mark hält und die derzeit einen Kurswert von gut 320 Millionen Mark haben, hat sie allenfalls 240 Millionen Mark bezahlt.

Dabei waren die teuersten Aktien die, die das Institut 1969 von der Veba kaufte. Für einen Anteil von 26,5 Prozent am damals 225 Millionen beiden Partner sind wie geschaffen, diesen Deal Mark betragenden Grundkapital zahlte die Bank bei einem Kurs von 250 Prozent knapp 150 Millionen Mark. Doch dann wurde es immer billiger. Als 1970 das Kapital auf seine jetzige Höhe aufgestockt wurde, zahlte die WestLB für nominell 24 Millionen Mark nur noch 160 Prozent, der Rest von gut 40 Millionen Mark ist zugekauft worden, als der Preussag-Kurs tief im Keller war – vermutlich für nicht mehr als 130 Prozent. Unterstellt man im übrigen, daß die Bank alle Aktien auf diesen Wert abgeschrieben hat, dann winkt ihr bei Verkauf zu pari ein Buchgewinn von beinahe 170 Millionen Mark. Zahlt Buddenberg hingegen einen Paketzuschlag, dann wird es entsprechend mehr.