Zwei blutige Anschläge von Rechtsextremisten haben in der vergangenen Woche jede Chance zerstört, den Bürgerkrieg in El Salvador friedlich zu beenden: Der Machtkampf soll „ausgeschossen“ werden.

Das erste Verbrechen ereignete sich am Donnerstag während einer Pressekonferenz in einem Jesuitenkolleg: Uniformierte überfielen die Versammlung und verschleppten wenigstens zwanzig Personen. Sechs Opfer wurden noch in der Nacht aufgefunden, unter ihnen Enrique Alvarez Cordova, Präsident der „Demokratisch-Revolutionären Front“, und fünf Mitglieder des Exekutiv-Komitees.

Zu den Morden bekannte sich eine rechtsextreme Organisation, die weitere Hinrichtungen androhte. Der Verdacht, sie habe direkte oder indirekte Unterstützung des Heeres gehabt, ist allerdings trotz entschiedener Regierungsdementis nicht ausgeräumt.

Einen Tag später explodierte ein mit Sprengstoff beladener Wagen vor der Kathedrale von San Salvador, in der die Ermordeten zur Trauerfeier aufgebahrt waren. Die Leichen wurden zerfetzt, mehrere Trauergäste lebensgefährlich verletzt. Nach der Nachricht von dem neuen Anschlag brachen Unruhen aus; das Militär schoß scharf und tötete im Laufe der Nacht wenigstens zwanzig Bewohner der Hauptstadt. Seit Jahresbeginn sind im Bürgerkrieg schätzungsweise 9000 Menschen umgekommen. Beim bisher größten Aufstand, der 1932 niedergeschlagen wurde, verloren etwa 30 000 Menschen das Leben, und die Rechte hat der Linken mehrfach ein „neues 32“ versprachen.

Militärisch hat die Vereinigte Linke, die mehr als 70 Gruppen umfaßt, das Ziel verfehlt, in einem schnellen Aufstand Militär, Polizei und paramilitärische Nationalisten zu überwinden. Den rund 5000 Aktivisten fehlt es an Waffen, gesichertem Nachschub und Ruhe- oder Rückzugszonen, zumal die Bevölkerung – bei aller Sympathie für die Ziele der Guerilla – am meisten leidet und versucht, sich aus den Kämpfen herauszuhalten.

Politische Erfolge hat die „Demokratisch-Revolutionäre Front“ dagegen aufzuweisen. Bis weit in die Mitte kann sie jetzt auf Zustimmung rechnen (vor allem bei der katholischen Kirche), während die Junta aus Militärs und Zivilisten zusehends an Autorität verliert.

Die Zeit ist also reif zu einem Versuchs eines Waffenstillstands. Die sechs Ermordeten waren in den vergangenen Wochen aus dem Exil heimgekehrt, um eine „Gegen-Regierung“ zu bilden: Ein volltönender Begriff für den Versuch, die Opposition auf eine autorisierte Sprecher- und Verhandlungsgruppe zu einigen. Nicht zuletzt deshalb wurden gerade diese Männer und Frauen von den Rechten ermordet: Ein Kompromiß ist nicht erwünscht.