Von Wolfdiedrich Schnurre

Es heißt Helmut. Und das muß man sagen: ein Name, der wie eine Wurstpelle sitzt – hervorragend gewählt, an Wesen und Habitus dieses so ungemein sensitiven Geschöpfes gemessen; gleichermaßen Verläßlichkeit wie Zartheit signalisierend. Und offenbar Geduld und Ausdauer auch. Denn in sage und schreibe sechs Kapiteln macht Helmut uns auf 56 Seiten und auf nicht weniger als runden einhundert Zeichnungen klar, wer er ist, was er kann, wie er lebt. Zugegeben, nicht ganz aus freien Stücken jedoch. Sondern Helmut hat die verständliche Eigenheit, es offenbar gern zu mögen, wenn man ihn anspricht. Und zwar so höflich wie möglich.

Glücklicherweise hat Hilke Raddatz, die Zeichnerin, die uns Helmuts Streben hier überliefert, Besagten in ihrem Besitz. So kann sie jederzeit zartfühlend und unprätentiös mit ihm umgehen. Wozu man anzumerken gezwungen ist, Helmut kommt ihren Bitten, so zag sie geäußert sind, in zunächst nur zögernder Erfüllung entgegen. Führt das ursprünglich Gewünschte dann allerdings auch wieder recht zuvorkommend aus. Ob Helmut gemessen wird, ob man seinen Bau besichtigen darf oder ob Helmut uns seine Grabschaufeln weist, immer wirkt er zugleich ungemein souverän.

Eins hat seine Besitzerin allerdings leider versäumt. Man sieht Helmut an, er will auf seine beredte Art Geschichten erzählen und einlösen, was auf dem Titelblatt steht Bildergeschichten steht da jetzt nämlich. Und eben von denen enthält dieses schöne Buch: nichts. Es enthält allenfalls Eigenheiten und Situationen, die durchaus für Helmut typisch, sein mögen, aber wie immer man sie auch zu drehen und wenden geneigt ist, noch lange keine Geschichten ergeben.

Denn dies ist fraglos eins der amüsantesten, der aufschlußreichsten Sachbücher, das sich nur denken läßt. Nämlich die Zeichnerin hat Erd-Helmut gern; und Helmut Ferkel quittiert das, indem er die ausgesuchtesten Beispiele aus seinem Leben darbietet. Eben nur bedauerlicherweise alle als punktuelle facts, nicht zu Erzählperlenketten gereiht. So ist es gewiß ungemein interessant, um nicht zu sagen beschämend, zu erfahren, daß Löwe, Leopard und Hyäne in der Verfolgung des Erdferkels mit niemand Geringerem als dem Menschen wetteifern, der sich also nicht einmal hier, der verkörperten Sensibilität gegenüber, der Ausrottung der Unschuld zu begeben vermag.

Doch wie atemberaubend, wie Genugtuung spendend wäre es, nun in dramatischen Bildfolgen Zeuge rasanter Erdferkelsiege über diese Phalanx von Feinden zu sein.

Statt dessen, was sehn wir? Das Erdferkel kratzt den Leoparden am Bauch; es hüpft dem Löwen davon; es verbarrikadiert sich vor der Hyäne; es führt den Menschen an der absolut unschweinischen Nase herum. Sind das Geschichten? Das sind Selbstverständlichkeiten, wenn man ein Erdferkel ist.