Dettig

„Hotel zur Hölle“ von Kevin Connor. „Nur die besten Geschöpfe für Farmer Vincents Töpfe“, ist das Motto des Schweinezüchters Vincent Smith. Der silberlockige Sechziger (genüßlich interpretiert vom Western-Veteranen Rory Calhoun) ist stolz darauf, niemals Antibiotika zu verwenden für sein allerorts geschätztes delikates Rauchfleisch. Das von Großmutter geerbte Rezept hat er um eine entscheidende Zutat verfeinert, die er sich des Nachts auf den Highways einfängt und in einem geheimen Garten mästet. Erst nach einem Schlußduell in der Räucherkammer (einer Parodie von „Star Wars“ – mit Motorsägen an Stelle von Laser-Schwertern) bekennt der verrückte Vincent röchelnd, daß sein Leben auf einer Lüge aufgebaut war: Er hatte Konservierungsmittel benutzt. Kevin Connor, sonst eher in harmlosen „fantasy“-Filmen versiert („Caprona – Das vergessene Land“, „Der sechste Kontinent“), hat hier die neue Welle des „ultimate horror“ mit ihren Kannibalismus-Schocks, speziell Tobe Hoopers „The Texas Chain Saw Massacre/Blutgericht in Texas“, rüde persifliert. „Motel Hell“ (Originaltitel) ist eine makabre Mischung aus ökologischem Humor schwärzester Schattierung, „grand-guignol“ Horror und religiöser Satire (mit Wolfman Jack als öligem Fernseh-Prediger): reichlich deftige Kost – nichts jedenfalls für Feinschmecker unter den Horror-Fans.

Helmut W. Banz

Alltäglich

„Bis daß der Tod euch scheidet“ von Heiner Carow schildert die Geschichte einer Ehe zwischen einem Bauarbeiter und einer Verkäuferin. Beide träumen anfangs vom großen Glück. Doch am Ende liegen Schlägereien, Vergewaltigungen, sogar ein Mordversuch hinter ihnen, und vor ihnen liegt nur noch die vage Hoffnung auf einen neuen Versuch miteinander. Während das Dargestellte also ein Drama erzählt, spricht die Darstellung von etwas anderem. Ihre Intention offenbaren die Bilder und deren dramaturgische Anordnung. Die Bilderfolge entwickelt einen additiven Charakter. Die einzelnen Stadien der Ehe werden dadurch gleichrangig nebeneinandergefügt, und die dramatische Entwicklung in Wut und Gewalt einerseits, in Ekel und Haß andererseits bleibt eine thematische Behauptung. Zugleich widmen sich die Bilder nicht dem, was sie als ihren Gegenstand vorgeben, dem Alltag dieser Ehe, sie machen das Problem der Alltäglichkeit zum Thema. Die Bilder zeigen nicht, sie illustrieren ein übergeordnetes „Anliegen“: den Hinweis auf Eheprobleme und die Aufforderung, ihnen zu entgehen. Den einzelnen-Stadien der Ehe ist dadurch stets eine begründende Ebene eingeschrieben: Da fängt er den ersten Streit an, weil sie wieder arbeiten will; da schlägt er sie erstmals, weil sie sich heimlich weiterqualifiziert hat; da beginnt er zu trinken, weil er bei einer Prüfung versagt; da läßt sie ihn Säure trinken, weil sie es nicht mehr aushält. Deutlich enthüllt sich der nach Erklärung strebende, Zusammenhänge darlegende und pädagogische Gestus dieses DDR-Films in einer einzigen Szene: Als der Brigadier des Mannes in die neue Wohnung kommt, umarmt er beide, blickt dann in die Kamera und kommentiert aufmunternd den Zustand dieser Ehe. Andererseits sieht man in einer Nebengeschichte gelegentlich auch eine Frau (Angelika Domröse), die rätselhaft bleibt, obwohl man weiß, was sie bewegt. Man sieht sie lieben, man sieht sie einsam in einer Diskothek, und man sieht sie leidenschaftlich und eifersüchtig, traurig und verzweifelt. Einmal sagt sie zu ihrem Geliebten: „Alles wird sterben an der Alltäglichkeit. Liebe braucht Geheimnisse!“ Dieser Satz über die Liebe gilt auch für Filme. Und für die Liebe im Film, da gilt er besonders. Norbert Grob

Einschläfernd

„Das Erwachen der Sphinx“ von Mike Newell. Wie es weiland der „Dracula“-Autor Bram Stoker geschickt verstanden hatte, in seinem Roman „The Jewel of the Seven Stars“ die viktorianische Faszination seiner Leser an den morbid-romantischen Aspekten der ägyptologischen Archäologie zu stimulieren, so nehmen nun clevere Filmproduzenten die allseits grassierende „Tut“-Manie zum Anlaß, das Genre des „Mumien“-Films aus den verstaubten Sarkophagen wieder auferstehen zu lassen. Allerdings mit weitaus weniger Geschick. In dieser Version der Stoker-Story (die schon 1971 von Seth Holt als „Blood from the Mummy’s Tomb“ verfilmt wurde) beweisen die Drehbuchautoren Allan Scott und Chris Bryant endgültig, daß die Qualitäten von „Don’t Look Now/Wenn die Gondeln Trauer tragen“ nicht ihnen, sondern dem Regisseur Nicolas Roeg zuzuschreiben waren. Es ist ein sehr phantasieloser Fluch der Pharaonen – trotz einiger eindrucksvoller Aufnahmen von Kameramann Jack Cardiff („Tod auf dem Nil“) und einer unfreiwillig (?) komischen Interpretation von Altstar Charlton Heston (erst in Khakishorts und mit offener Hemdbrust, dann als britische Wiedergeburt seiner „Moses“-Rolle bei DeMille). Da Filmproduzenten – wie Ägyptologen – alle Warnungen mißachten, steht zu befürchten, daß dieses krude Konglomerat aus Grabräuberei, Inzest und Osiris-Kult, Reinkarnation, Telekinese und Vatermord bald eine Fortsetzung finden wird. Und da man nach den 100 Filmminuten von „The Awakening“ wieder erwacht aus katatonischem Tiefschlaf, hat sich eine Prophezeiung ja bereits erfüllt: die des Originaltitels, Helmut W . Banz