Von Norbert Denkel

Deutschland zerfällt in Fachleute und Laien – jene blicken auf diese voller Verachtung herunter, und da jeder einmal Fachmann, neunundneunzigmal hingegen Laie ist, so ergibt sich ein heftig bewegtes Gesellschaftsspiel, dessen Fruchtbarkeit geringer ist, als seine Veranstalter glauben. Es kommt bei diesem Spiel nicht viel heraus.

Der Fotograf arbeitet, damit der Laie sich seine Bilder ansehe, seine Freude an ihnen habe, sie immer wieder betrachte. Erst, in zweiter Linie ist die Fachkritik für ihn von Wichtigkeit. Was ist das, die Fotografie? Kunst?“

1930 schrieb dies Kurt Tucholsky im Vorwort zu einem Photojahrbuch. Temperamentvoll wollte er die Stühle wieder zurechtrücken, zwischen die sich immer mehr Leute zu setzen beliebten.

Mal sparsam, mal groß gedacht, gab es in jenen Tagen Konjunktur für Theorie, Gebrauchsanweisungen für Photographie als Kunst – mit und ohne Fragezeichen. Am einfachsten war da noch Nestroy zu zitieren, dessen Verdikt mit Sicherheit allen Photographen, die Bilder machen, entgegenkommt, der aber allen in die Quere gerät, die sich mit anderem als den fünf Sinnen der Photographie nähern: „Es gibt keine Kunst; wenn’s einer kann, ist’s keine Kunst, und wenn’s einer nicht kann, ist’s erst recht keine Kunst.“

Nun hat Nestroy das zwar nicht auf die Photographen bezogen, aber er wird so bezüglich zitiert von Emil Orlik, der 1924 einen Aufsatz über die Photographie schrieb.

Beide, Tucholsky und Orlik, sind versammelt mit sechsunddreißig weiteren Vor- und Begleitdenkern, mit Philosophen, Schriftstellern, Künstlern und Photographen, vereint mit ihren Gedanken zur Photographie in einem Buch, das man nicht müde wird, in die Hand zu nehmen, das so etwas wie ein Katechismus der Photographie werden kann, werden sollte –