Der Kampf zwischen dem Abend und dem Tagesspiegel

Von Joachim Nawrocki

Dies ist ein einmaliger Vorgang in der deutschen Pressegeschichte“, sagt Franz Karl Maier, der Verleger des Berliner Tagesspiegel, und er hat damit sicher recht. Denn das hat es wirklich noch nicht gegeben, daß sich zwei Zeitungsmacher, Konkurrenten und Partner zugleich, bis aufs Messer befehden und ihren Zwist öffentlich, in ihren Blättern, in Pressekonferenzen und demnächst auch noch vor Gericht austragen.

In der letzten Woche ist es so weit gekommen, daß der eine, Franz Karl Maier, den anderen, den Abend-Verleger Hossein Sabet, den Druck der Zeitung in der beiden gemeinsam gehörenden Mercator-Druckerei untersagte. Am nächsten Tag erwirkte Sabet beim Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung, und nun kann der Abend einstweilig wieder erscheinen.

Was sich da zwischen den beiden streitbaren Verlegern abspielt, erklärt sich mir zum Teil mit den Besonderheiten der Berliner Medienlandschaft. Die Zahl der Leser ist begrenzt, zwei Millionen Einwohner im umgrenzten Westteil der Stadt, und im Umland keine Kundschaft. Zudem wird die Bevölkerungszahl nach allen ernstzunehmenden Erkenntnissen allmählich weiter sinken, und der Anteil der Ausländer steigt noch ein wenig.

Das heißt, die Zeitungskäufer werden weniger; Auflagengewinne können die Berliner Zeitungen nur auf Kosten der Konkurrenz erzielen. Ebenso begrenzt ist auch das Anzeigenaufkommen. Auch hier fehlen die Kaufhäuser, die Unternehmen, die Auftraggeber von Kleinanzeigen aus der Umgebung der Stadt, und ein großer Teil der Konsumentenwerbung findet in den regionalen Hörfunk- und Fernsehprogrammen statt.

Die Fernseh-Abendschau des SFB beispielsweise nimmt manches vorweg, was erst am anderen Morgen in den Tageszeitungen stehen kann. Trotz ihrer etwas trockenen Machart und einer politischen Berichterstattung ohne jeden Biß hat sie Einschaltquoten von rund 40 Prozent,