Wer kürzlich die glänzende Ausstellung des Keramiker-Ehepaares Karl und Ursula Scheid im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe gesehen hat, dem fiel zweierlei auf: eine zeitgenössische Töpferkunst von hohem Rang (und hohen Preisen) und ein großes Publikumsinteresse. Zwei Neuerscheinungen bezeugen das kreative Vergnügen, das die Keramik Künstlern und Sammlern bietet. Der englische Töpfer Peter Lane legt das erste Buch über heutige Porzellankunst vor, die Hohe Schule der Keramik. „Hell to make and Heaven to hold“: Porzellan, heißt es, sei höllisch schwer zu machen und himmlisch in der Hand zu halten. Mit seiner Eleganz und Transparenz, dem Zwang zur Präzision und der Verführung zur Virtuosität hat dieses exaltierteste aller Medien“ (Lane) in den letzten Jahren vor allem unter britischen Keramikern eine erstaunliche Renaissance erlebt. Die Ergebnisse, von der klassischen Schale bis zur kapriziösen Skulptur, sind in diesem Band zu sehen, Werke von 117 Töpfern aus Europa und Amerika. Über Motive, Methoden und Techniken führender zeitgenössischer Porzellankünstler gibt es kein informativeres Buch als dieses (Studio Porcelain, Pitman, London 1980, 224 S., 340 Abb., £ 14,95).

Im Vergleich dazu um so unzulänglicher der als „Handbuch“ der internationalen Keramik der Gegenwart angekündigte Bildband von Hildegard Storr-Britz (DuMont, Köln 1980, 244 S., 264 Abb., 44 Mark). Gefäße, keramische Objekte, Plastiken, Reliefs und Baukeramiken von Künstlern aus 26 Ländern: eine gewiß imponierende Fülle. Indes ist das Fehlen so wichtiger Töpfer wie Lucie Sie oder Shimaoka um so ärgerlicher, als sich die Autorin (selber Keramikerin) die meisten Abbildungen reserviert. Auch hält sie nur sich selbst und ihren Mann für wichtig genug, mit einer Kurzbiografie vorgestellt zu werden. Der Einleitungstext ist dürftig, jede der 264 Abbildungen nur mit einer Ziffer statt mit dem Namen des betreffenden Keramikers versehen, ein ständiges Suchen die Folge. Kein Handbuch, leider, sondern eine vertane Chance. Peter Sager