Von Rolf Schneider

Fritz Molden aus Wien ist einer jener immer rarer werdenden Verleger, die Bücher nicht nur vertreiben, sondern auch verfassen können. 1976 erschien seine Autobiographie „Felopinski und Waschlapski auf dem berstenden Stern“, die hübsch zu lesende Geschichte eines – allerdings ziemlich schlitzohrigen – Simplex in den Wirren von Austro-Faschismus, Hitlerei und angehender Besatzung des österreichischen Alpenlandes.

Diesem Erinnerungsbuch schickt der durchs erhebliche Echo auf den Geschmack gekommene Molden jetzt ein zweites hinterdrein:

Fritz Molden: „Besetzer, Toren, Biedermänner. Ein Bericht aus Österreich 1945–1962“; Verlag Fritz Molden, München 1980; 424 S., 36,– DM.

Als Fortsetzung zu „Felopinski“ will der Verfasser das nicht verstanden wissen, und er hat damit auch recht. War das Buch über Eltern, Kindheit und Jugend eine auch selbstironische Paraphrase über einen unwiderruflich entschwundenen Lebenskontinent, so entpuppt sich das neue Buch als gelegentlich zähneknirschendes Pamphlet der Rechtfertigung gegenüber immer noch anhaltenden Zuständen. Es geriert sich als Erfolgsbilanz eines Tausendsassa. Erst am Ende wird man gewahr, daß hier jemand seine Niederlage bemänteln muß.

Die „Toren“ des Titels sind im etwas sehr einseitigen Verständnis des Autors jene jungen Leute des österreichischen Widerstandes, zu denen er einmal selber gehörte; „Biedermänner“ sind hingegen die professionellen Politiker des österreichischen Vor- und Nachkriegs – gleichgültig, ob auch sie sich im Widerstand befunden hatten oder nicht. Molden beklagt, daß die Profis über die Amateure obsiegten. Die Österreicher werden es nicht beklagen. Hätten sie durch eine Riege reizender Schlagetote regiert werden wollen?

Fritz Moldens Familie war über zwei Generationen beteiligt an der Existenz von Österreichs liberalem Bürgerblatt, das abwechselnd „Die Presse“ und „Neue Freie Presse“ hieß oder heißt. Fritz Molden selber ist als begeisterter Antifaschist, mehr noch als begeisterter Antikommunist anzusehen; insofern war er eine erstklassige Figur im Kalten Krieg, in der österreichischen Innenpolitik aber war er eher unbehaust. Er legte sich mit der ÖVP an, deren Konservatismus aus christ-katholischen und bäuerlichen Traditionen ihm sichtlich zu verzopft und autoritär daher kam. Mit den Sozialisten hat er es nicht, weil sie ihm zu sehr zur Bonzokratie neigen und er ihnen auch noch seine schlimmste Niederlage schuldet: das Ende seines Presseimperiums. Eine liberale Bewegung, der er sich hätte anschließen können, gibt es im heutigen Österreich gleichermaßen nicht: der österreichische Liberalismus war eine jüdische Angelegenheit; ihr Ende hieß Auschwitz.