DIE ZEIT

Das Ende einer Karriere

Bruder Josef, wie der Landwirtschaftsminister Josef Ertl manchmal halb liebevoll, halb spöttisch genannt wurde, erfährt in diesen Tagen wenig brüderlichen Trost.

Gefahr für Polen

Die Neun haben Klartext geredet. Mit ihrer Warnung vor einem sowjetischen Einmarsch in Polen nahmen sie Abschied von der leidigen Gewohnheit, sich bei ihren Gipfelkonferenzen vor Herausforderungen in Unverbindlichkeiten zu flüchten.

Von Machern und Wellenmachern

Die Amerikaner haben ein Wort dafür: pack journalism – Rudeljournalismus. Die Erscheinung ist auch hierzulande nicht unbekannt: Ein Kommentator stürzt sich in eine bestimmte Ecke, die ganze Medien-Meute hetzt ihm hinterher und kläfft in die gleiche Richtung.

Reitet für die DDR

Etwas verschämt, im Lokalteil, vermeldete die Ost-Berliner Zeitung ein kulturhistorisches Ereignis, das ohne ein geradezu aufregendes politisch-ideologisches Umdenken in der kommunistischen Führung nicht hätte passieren können: Der „Alte Fritz“ reitet wieder Unter den Linden.

Das letzte Gefecht des Generals

Coimbra, im Dezember Als habe er seine Rede noch nicht beendet, legt Ramalho Eanes urplötzlich eine lange Pause ein und tritt einen Schritt hinter das Saalmikrophon zurück.

Zeitspiegel

Vietnam wird seit kurzem von einer überraschenden Touristenwelle überrollt. An den Sandstränden von Danang rösten sie ihre bleiche Haut, in Zweierreihen marschieren sie durch Saigon, das heute Ho Tschi Minh City heißt, sie essen in für sie reservierten Restaurants, sie wohnen in für sie freigemachten Hotels.

Horst Herold, der Präsident des Bundeskriminalamts, tritt vorzeitig in den Ruhestand. Sein Weggang markiert einen Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik. Wie ist sein Wirken zu bewerten?: Der mann auf allen Abschußlisten

Neun Jahre lang war Horst Herold der erste Polizist der Bundesrepublik. Er hat das Bundeskriminalamt in diesen Jahren aus einer kompetenzschwachen, materiell und personell unterversorgten Behörde zu einer der schlagkräftigsten Polizeiorganisationen der Welt gemacht, nach dem Urteil der französischen Zeitung Le Monde die „bestgerüstete nächst dem FBI“.

Verzicht auf den Generalangriff

Helmut Kohl kann zufrieden sein. Nach der disziplinierten Reaktion der CDU/CSU auf die neue-Wahlniederlage, nach seiner gänzlich unangefochtenen Wiederwahl zum Fraktionsvorsitzenden, nach der Straffung der Fraktionsstruktur und der Auswechslung von Führungspersonal ist nun auch, in der Debatte über die Regierungserklärung, der parlamentarische Einstand der Opposition in der neuen Legislaturperiode geglückt.

Gemeinsamkeit in Bonn?: Die Spruchgirlanden flattern

Zuweilen sah es fast so aus, als ob da ein politischer Frühling wieder einmal sein blaues Band flattern ließe. Durch die ganze Debatte über die Regierungserklärung zog sich eine schöne Spruchgirlande: Von Gemeinsamkeit war die Rede.

VII. ZK-Plenum in Warschau: Steht Kania auf der Kippe?

Die Entwicklung in und um Polen wird immer undurchsichtiger. Verschwommen erscheinen, die Grenzen zwischen Freunden, Feinden und Fraktionen, zwischen politischem Druck mit militärischen Mitteln und realen Invasionsvorbereitungen Moskaus.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Die beiden amerikanischen Politiker William Simon und George Shultz haben auf ein Amt im Kabinett des künftigen Präsidenten Ronald Reagan verzichtet.

El Salvador: Bürgerkrieg ohne Ende

Das erste Verbrechen ereignete sich am Donnerstag während einer Pressekonferenz in einem Jesuitenkolleg: Uniformierte überfielen die Versammlung und verschleppten wenigstens zwanzig Personen.

BONNER BÜHNE: Warten auf den Hauskrach

Der Pressesprecher der CDU/CSU-Fraktion, Eduard Ackermann, machte ein Gesicht wie eine Katze, die am Sahnetopf war. Kein Wunder, denn so liebevoll ist die Presse mit der Opposition schon lange nicht mehr umgegangen und so kratzbürstig auch nicht mit der Koalition.

Frankreich: Kein Watergate

James Bond hätte seine helle Freude. Sein Kollege Martel Le Roy arbeitete immerhin bis 1967 als Agent des SDECE (Service de documentation exterieure et de contreespionnage), des französischen Geheimdienstes.

Uruguay: Spiel der Junta

Uruguay – einst als "Schweiz Südamerikas" gepriesen – wird seit 1973 de facto vom Militär beherrscht; die Präsidenten sind Marionetten.

Äthiopien: Werben um Kenia

Äthiopien ist auf der Suche nach neuen Verbündeten. Während eines viertägigen Staatsbesuchs in Kenia hat Staatschef Mengistu um die Freundschaft des ideologisch völlig anders orientierten Nachbarn geworben.

Lothar Ruehl nach Bonn

Mit diesem Artikel verabschiedet sich Lothar Ruehl von der ZEIT, für die er seit 1973 über militärische Sicherheit und Bündnispolitik geschrieben hat: Er wird stellvertretender Sprecher der Bundesregierung.

Asien-Strategie: Panzer an der Ampel

Japan ist wie ein fettes Schwein, das frißt und frißt, und weder Bär noch Tiger bemerkt, von denen es gierig belauert wird.“ So grollt Ryutaro Nohmura, Chef eines, wenig bedeutenden Konzerns, in Nippon jedoch bekannt als unermüdlicher Sprecher stärkerer Wehrbereitschaft.

Wandel unter Reagan?: Blick auf den Pazifik

Elf Tage ist Ray Cline, außenpolitischer Berater des zukünftigen amerikanischen Präsidenten Reagan, durch Asien gereist, um Optimismus und Zuversicht zu verbreiten.

Nichts als Zank und Streit

Es steht schlecht um Arabien. Zank, Zwist und haßerfülltes Gezeter regieren die Stunde. Der bedrohliche Aufmarsch von drei syrischen Divisionen und über tausend Panzern an der jordanischen Nordgrenze, die Vehemenz der zwischen Damaskus und Amman hin- und hergeschleuderten Anschuldigungen, spiegeln den Bruch im arabischen Lager wider.

Sind die Richter überfordert?: Alarm aus Hessen

Eine immer größer werdende Prozeßlawine sieht der hessische CDU-Landtagsabgeordnete Dieter Moeller auf das Land zurollen, weil Hessens Gerichtsbarkeit zur Zeit etwa 450 Richter und Staatsanwälte fehlten.

Oberstaatsanwalt: Ein Herz für Stadtstreicher

Frankfurts Stadtstreicher erfreuen sich seit kurzem eines ungewöhnlichen Rechtsbeistandes der Amtsanwaltschaft. Die Strafverfolgungsbehörde streitet dabei nicht nur für die Rechte der Nichtseßhaften, sondern kritisiert obendrein den städtischen Sozialdezernenten Karl-Heinz Trageser (CDU).

Diesen „Typen“ ins Gesicht sehen

Es ist ein Gefühl, als hätte man ein altes Photoalbum auf dem Speicher gefunden. Was, das, soll die Apo gewesen sein? Diese adretten jungen Männer mit Schlips und Jackett, das waren! doch nicht die „Randalierer“ der sechziger Jahre.

Nachhilfe aus Nippon

So eine Branche gibt es nicht noch einmal: Da werkeln in einem guten Dutzend Fabriken rund zwanzigtausend Arbeiterinnen und einige männliche Kollegen von früh bis spät und von Januar bis Dezember; sie schrauben, löten und klemmen im Laufe des Jahres mehrere Milliarden Einzelteile zusammen; und schließlich zählen sie, was dabei herausgekommen ist: vier Millionen Farbfernsehgeräte made in germany – angeblich die besten der Welt.

Rentenversicherung: Finanzkarussell

Weil es angeblich so „praktisch“ ist – so der alte und neue Bundessozialminister Herbert Ehrenberg –, werden die gut zwanzig Millionen Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung vom kommenden Jahr an dreieinhalb Milliarden Mark mehr Beiträge zahlen, um damit dem Bundesfinanzminister eine gleich hohe Kürzung seiner Zahlungen an die Rentenversicherung zu ermöglichen, und um so dem Minister zu helfen, den gut 21 Millionen Mitgliedern der Arbeitslosenversicherung eine Erhöhung ihrer Beiträge zu ersparen.

Geldmenge: Bewegliches Ziel

Der Zentralbankrat hat die Quote, um welch die ^Geldmengen orshsjshd gegenüber dier senn Jahr gennosen Die montikank deshalb zu ^tadeln – oder auch zu loben – ware verfrunt.

Bonner Kulisse

Wird womöglich doch noch Gesetz, was die sozial-liberale Bonner Koalition trotz größter Finanznot bislang nicht geschafft hat – Einsparungen auch zu Lasten der Beamten? Noch kann man es sich zwar nicht recht vorstellen, doch immerhin: die nordrhein-westfälische Landesregierung unter Ministerpräsident Johannes Rau will es vielleicht versuchen.

Vorsicht: Rohrkrepierer

Zum Schutz ihrer heimischen Textilunternehmen haben die westlichen Industrieländer mit den Entwicklungsländern ein Selbstbeschränkungsabkommen geschlossen, das 1978 in Kraft trat und 1981 ausläuft.

Europäischer Rat: In Trübsal vereint

Die Lage war noch nie so ernst, pflegte Konrad Adenauer zu sagen. Die Staats- und Regierungschefs aus den neun Ländern der Europäischen Gemeinschaft brauchen sich da nicht zu verstecken: Die wirtschaftliche Zukunft Europas sei „niemals bedrohlicher“ gewesen, schrieben sie ins Kommuniqué über den Europäischen Rat in Luxemburg.

Fusion: Ein ideales Paar

Die Übernahme von Preussag durch die Deutsche BP ist noch nicht endgültig gescheitert

Sozialdemokraten: Flop für Filz

Man kann es so oder so nennen, was die Kollegen der IG Metall und die Genossen der Hamburger SPD sich da frisch, fromm, fröhlich, frei ausgedacht hatten: Fürsorge oder Filz; auf alle Fälle war es ein Fehler und wurde zum Glück ein Flop.

Zeitliches aus Europa: Brüsseler Spitzen

Einmal im Jahr schreitet die Kommission der Europäischen Gemeinschaften zur großen Leichenverbrennung. Dann werden in aller Form – mit einer entsprechenden Veröffentlichung im Amtsblatt der EG – jene unter den etwa fünfhunder Vorschlägen zurückgezogen, die in den Schubladen des Ministerrats schimmeln und keine Aussichten mehr haben, vom Rat noch beschlossen zu werden.

Große Sorge: die Kosten

Rodenstock: Aus meiner Sicht ergibt sich, daß seit einigen Monaten die Auftragseingänge deutlich unter dem Vorjahr liegen und die Produktion entsprechend zurückgenommen werden muß.

MANAGER UND MÄRKTE

Als sich vor Jahr und Tag Ferdinand („Ferry“) Porsche, Aufsichtsratschef des gleichnamigen Sportwagenherstellers, auf die Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden begab, mochte er sich nicht allein auf seine eigenen Kontakte verlassen.

ZEITRAFFER

Keine Trendwende zeichnet sich in der Leistungsbilanz der Bundesrepublik ab, auf deren Passivseite sich in diesem Jahr bis Ende Oktober 25,8 Milliarden Mark angesammelt haben.

„Intelligenz“

Mit intellegentia (von intellegere = dazwischen auswählen) bezeichnete Cicero die Fähigkeit, etwas zu erkennen, intellegentia hieß aber auch die gewonnene Erkenntnis selbst.

„Denken“

Die alten Griechen haben das Denken und das Wahrnehmen gleichgesetzt. Für Homer, Xenophanes, ja, noch für Heraklit und Empedokles gab es eine enge Beziehung zwischen Denken, Sehen und Hören.

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