Von Gunter Hofmann

Bonn, im Dezember

Das Bild Helmut Schmidts widerspricht im Moment dem Klischee, an dem er selber erfolgreich mitgewirkt hat: dem Bilde des entscheidungsfrohen Regisseurs im Kanzleramt, der weiß und sagt, wo es langgeht. Jetzt sehen ihn im eigenen Lager viele eher als Opfer von Sachzwängen und Koalitionsräson. Wenn auch die Suche nach einem Regierungsprogramm in einer Koalition ein Stück Krisenmanagement ist, dann hat das diesmal nicht richtig funktioniert. Erfolgreiches Krisenmanagement war aber doch stets die Grundlage für Schmidts Popularität und Autorität.

Erhard Eppler ist verständlicherweise von allen Seiten dafür beschimpft worden, zumal von Jochen Vogel, daß er den sozialdemokratischen Justizminister im stern als „geeigneten“ Nachfolger für Schmidt ausgerufen hat. In der Sache urteilen immer mehr Sozialdemokraten ähnlich. Freilich, den Zeitpunkt und das Verfahren für solche Äußerungen halten alle für falsch, obwohl ja Schmidt selber Vogels Namen immer häufiger in Nachfolge-Erwägungen einfließen läßt. Ob ihn Nachtgedanken dazu treiben oder nicht, bleibt bloße Spekulation.

öffentlich mag Schmidt derzeit melancholisch wirken, intern zeigt er sich engagiert. Gegenüber den Kritikern, zumal den Linken, spart er nicht mit starken Worten, aber er igelt sich auch nicht ein. Zwar nahm der Kanzler kurz nach der Regierungserklärung am Treffen des rechten sozialdemokratischen Metzger-Kreises in Seeheim teil, aber er hat zugleich wissen lassen, natürlich würde er auch zu den Linken gehen, die hätten ihn bloß nicht gefragt.