Mit diesem Artikel verabschiedet sich Lothar Ruehl von der ZEIT, für die er seit 1973 über militärische Sicherheit und Bündnispolitik geschrieben hat: Er wird stellvertretender Sprecher der Bundesregierung.

Lothar Ruehl gehört zu den großen deutschsprachigen Journalisten seiner Generation. Vor einem Vierteljahrhundert stand er, damals Spiegel-Mann, im Foyer des Londoner Claridge-Hotels hinter einer Säule und hörte Adenauer zu, wie der dem luxemburgischen und dem französischen Regierungschef sein Leid klagte: „Mein Gott, was soll aus Deutschland werden, wenn ich einmal nicht mehr da bin!“ Er berichtete für die Welt aus Paris, wo er nebenher an der Sorbonne seinen Doktor machte (Dissertations-Thema: „Französische Militärpolitik 1958–68“). Seit 1973 war er ZDF-Korrespondent für Sicherheitspolitik. Von Brüssel aus bereiste er die ganze Welt, nahm an internationalen Konferenzen und Kolloquien teil, flog in den letzten zehn Jahren häufig auch nach Washington, wo er. enge Kontakte zu führenden Mitgliedern der bisherigen und der künftigen Administration knüpfte.

Kein anderer Journalist versteht im Detail so viel von Sicherheitspolitik, von Rüstung und Abrüstung wie Lothar Ruehl. Es machte ihm nichts aus, über dürre Materie schmucklos zu schreiben. Dafür waren seine großen Kriegsberichte – über den Yom-Kippur-Krieg oder, zuletzt, über den irakisch-iranischen Konflikt – Beispiele klassischer militärpolitischer Analysen: präzise, sparsam-elegant, von Clausewitzscher Eindringlichkeit, Bildhaft, geradezu poetisch konnte er werden, wenn er über allgemeinere Themen schrieb – etwa ein Porträt von Le Monde.

DIE ZEIT wird Ruehls Feder, seinen Kopf, das fröhliche Ebenmaß seines Temperaments vermissen. In Bonn wird ihm alles drei zustatten kommen. Th. S.