Von Heinz Blüthmann

So eine Branche gibt es nicht noch einmal: Da werkeln in einem guten Dutzend Fabriken rund zwanzigtausend Arbeiterinnen und einige männliche Kollegen von früh bis spät und von Januar bis Dezember; sie schrauben, löten und klemmen im Laufe des Jahres mehrere Milliarden Einzelteile zusammen; und schließlich zählen sie, was dabei herausgekommen ist: vier Millionen Farbfernsehgeräte made in germany – angeblich die besten der Welt. Doch eigentlich lohnt die ganze Mühe nicht.

Denn außer viel Arbeit und Ärger mit dem Verkauf dieser Millionen Prunkstücke deutscher Ingenieurkunst hat die Branche nichts davon – sogar weniger als nichts.

Zusammengenommen müssen nämlich die elf hiesigen TV-Geräte-Produzenten bei ihrem "Geschäft" kräftig zuzahlen. Und das nicht erst in diesem Jahr. Seit 1978 sind dabei Verluste von über einer halben Milliarde Mark aufgelaufen.

Abgerutscht in tiefrote Zahlen sind nicht nur die AEG-Tochter Telefunken, sondern auch Nordmende und Saba, die – auch deshalb – beide vom expansiven Thomson-Brandt-Konzern geschluckt wurden, der Bosch-Siemens-Ableger Blaupunkt, die ITT-Gesellschaft Standard Elektrik Lorenz (Marken: Graetz und Schaub Lorenz), Körting und Loewe Opta.

Grundig, der deutsche Marktführer, und Philips, der größte Anbieter von TV-Geräten in Europa, zeigen in ihren letzten Abschlüssen zwar noch schwarze Zahlen vor, doch sind sie so mickrig wie nie zuvor.

Ganze zwölf Millionen Mark Gewinn – ein Drittel des Vorjahresergebnisses – schafften die Manager der Deutschen Philips bei immerhin 4,4 Milliarden Mark Umsatz. Und da sich erklärtermaßen das Geschäft in anderen Sparten "erfreulich" entwickelt, liegt der Schluß nahe, daß auch Philips’ Fernsehapparate das triste Schicksal fast aller deutschen Konkurrenzmodelle teilen – und ebenfalls Verlustmacher geworden sind.