Luxus-Hotels heute

Von Rudolf Walter Leonhardt

Die Luxus-Hotels von heute sind, was im vergangenen Jahrhundert die Schlösser und Landsitze des Adels waren. So wurden, sie auch von ihren Erfindern, den Engländern, bewußt konzipiert. Aber dem Erb-Adel verzieh man offenbar leichter, als heute dem Geld- und Funktionsadel verziehen wird. Teils blanker Neid, teils das Gefühl, solche Klassenunterschiede dürfe es eigentlich nicht mehr geben in einer demokratischen Gesellschaft, erschweren die gelassene Beurteilung der „Nobelherbergen“, wie sie verächtlich auch von Journalisten und Gewerkschaftsfunktionären genannt werden, deren Namen man durchaus auf den Gästelisten finden kann.

Ein persönliches Geständnis scheint mir angebracht:

1. Ich bin für meine Arbeit auf gut funktionierende Hotels angewiesen; gut funktionierende Hotels sind meistens teuer, also „Luxus“.

2. Ich bewundere gute, und das heißt gut geführte Hotels, weil sie etwas verkaufen müssen, was es eigentlich gar nicht mehr gibt: bereitwillige, freundliche Dienstleistung.

3. Ich sehe überhaupt keinen Grund, die schwer Arbeitenden zu beneiden, die im dezent Gestreiften, weißes Hemd und Krawatte, Tagungsunterlagen im Diplomatenkoffer, sich den Luxus leisten lassen, in ihren allzu kurzen Nächten nicht schlechter zu wohnen als zu Hause. Die sollen dann ruhig auch Schwimmbad, Sauna, Solarium und Fitneß-Raum im Hause haben, von denen sie, wie jeder Hoteldirektor weiß, nur selten Gebrauch machen können.