Es lächelt der See. (Es war ein schweizerischer.) Warum lächelt er? Er ladet zum Bade. (Kein Lächeln ohne Hintergrund, kein Lächeln ohne Bedeutung.)

Aber was war das nur für ein Lächeln, das der Papst uns Deutschen bei seinem Besuch beschert hat? In aller Frühe, etwa zwischen sechs und sieben Uhr, habe ich im Bett den Radioapparat in Marsch gesetzt. Es war ein schweizerisches Bett, und ich blieb nicht ungestraft. Ein Mann des Rundfunks interviewte zwei Theologen, einen katholischen und einen protestantischen; dieser führte das Wort. Beide sagten, der Besuch des Papstes in Deutschland, der soeben beendet war, sei ein voller Erfolg gewesen. Dieser Erfolg – so sagte der Protestant – sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß der Papst seine Persönlichkeit, seine Menschlichkeit, seinen ihm eigentümlichen Charme habe wirken lassen können, vor allem sein Lächeln.

Kann man sich meine Verblüffung – mein katholisches Erstaunen, denn ich bin Katholik vorstellen?

Was für ein Lächeln? Fragte der Rundfunkmann, Antwort, und zwar wörtlich: „Das spitzbübische Lächeln des Papstes...“

Da wäre ich – als Katholik – beinahe aus dem Bett gefallen. Aber da der Radioapparat weitertönte, mußte das Thema weiterbehandelt werden.

Es ist nicht leicht, über Erfolg oder Mißerfolg eines Besuchs oder eines Mißerfolg zu urteilen. Es gibt freilich Ereignisse, die an und für sich ein Erfolg sind, ob es sich um einen Besuch oder um eine Schlacht handelt. Eine solche Schlacht, die in sich, ein Erfolg war, ist gewiß die von Issus gewesen. Ihr Erfolg besteht schon darin, – daß sie sich – 333 bei Issus Keilerei – schon den Quartanern mit wunderbarer Gewalt ins Gedächtnis geprägt hat. Alle anderen Schlachten sind einzig danach beurteilt worden, welche Partei Erfolg hat, die eigene oder die gegnerische. Gewöhnlich wird eine Schlacht dem Nachgeborenen aus der Sicht des Siegers übermittelt. Von welcher Warte aber urteilen zwei christliche Theologen, morgens zwischen sechs und sieben Uhr, wenn sie sagen, daß ein päpstlicher Besuch ein Erfolg gewesen sei?

Ein Erfolg für die Deutschen allgemein? Oder nur für die Katholiken? Oder ganz einfach für den Papst? Es ist wahr: Bei diesem Besuch ist allerlei passiert. Jugendliche haben einen selbstgefertigten Spruch gebrüllt: „Johannes der Zweite, wir sind auf deiner Seite.“ Diese kämpferisch klingende Lyrik ist nicht so gut, daß sie einen Erfolg manifestieren könnte. „Schäfchen zur Linken, Freude tut winken“, ist auch nicht besser, wenn auch nicht schlechter, aber als politische Lyrik, wenig brauchbar. Solche Sprüche haben nur eine einzige Bedeutung, man braucht ihren Wahrheitsgehalt nicht zu untersuchen. Denn was sich reimt, braucht, man nicht erst zu beweisen.