Die Schwierigkeiten, ein gesellschaftliches Reformprogramm durchzusetzen (I)

Von Dietrich Goldschmidt

In der neuerlich entbrannten Diskussion um die Universität Bremen mögen einige Zahlen dazu dienen, diese Universität im angemessenen Verhältnis zum gesamten Hochschulsystem der Bundesrepublik zu sehen, Insgesamt umfaßt dieses 64 wissenschaftliche Hochschulen (einschließlich Gesamthochschulen) mit rund 770 000 Studenten (Wintersemester Die Universität Bremen nahm ihren Lehrbetrieb im Oktober 1971 auf. Sie umfaßt inzwischen, etwa 6500 Studienplätze, nach Abschluß des Ausbaus mögen es bis zu 7500 statt der bisher noch vorgesehenen 10 000 werden. Im Januar 1980 zählte Bremen im einzelnen 3200 Lehrerstudenten, 600 Studenten in der einphasigen Juristenausbildung, 2800 in verschiedenen sozial- und naturwissenschaftlichen Diplom-Studiengängen, 200 Doktoranden und 400 Berufserfahrene in der Weiterbildung (überwiegend teilzeitig), zusammen circa 0,9 Prozent aller Studierenden.

Insgesamt sind gegenwärtig 336 Hochschullehrer und 81 wissenschaftliche Mitarbeiter (ohne Bibliothek und technische Dienste) tätig (zirka 0,7 Prozent des wissenschaftlichen Personals aller wissenschaftlichen Hochschulen). Außerdem werden derzeit aus Drittmitteln etwa 60 wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt. Der Haushalt der Universität beläuft sich 1980 auf rund 100 Millionen Mark, aus Drittmitteln für Forschung kommen rund sieben Millionen Mark hinzu. Insgesamt sind dies weniger als 0,5 Prozent der Ausgaben für wissenschaftliche Hochschulen.

Die Gründer der Universität Bremen vertraten schärfer als die Initiatoren aller anderen Neugründungen ein entschiedenes, vor allem gesellschaftspolitisch orientiertes Reformprogramm; möglichst rasch sollte sozusagen alles neu gestaltet werden:

Universität und Gesellschaft sollten eng miteinander verbunden werden. Auf Grund des Kriteriums der Gesellschaftsrelevanz sollte von vornherein eine etwaige Eigengesetzlichkeit der Universität nach traditionellem Muster begrenzt und so das Entstehen eines Elfenbeinturm verhindert werden. Besondere Aufmerksamkeit sollte den gesellschaftlich Unterprivilegierten gelten, man suchte Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und wollte sich vor allem auch –in Übereinstimmung mit älteren Stellungnahmen des Senats der Stadt Bremen und des Wissenschaftsrats – regionalen Bedürfnissen zuwenden.

Alle Lehrenden gleichgestellt