Finanziell hat er es zu nichts gebracht; er gehörte in den Verträumten, den Introvertierten. Schon vor seinen Lehrern – zunächst auf einer protestantischen Klosterschule, dann auf einem berühmten Stift – hat er nicht geglänzt. Die Zeugnisse lassen erkennen, daß man seine Auffassungsgabe für gering, sein Urteilsvermögen für konfus hielt und daß er seine Lehrer weder im Hebräischen noch in Exegetik oder Dogmatik zufriedenstellte. Und eine Probepredigt brachte dem späteren Pfarrer diese Beurteilung ein; „Seine Predigt war mittelmäßig disponiert, unangemessen ausgeführt, unangenehm vorgetragen.“

Seltsamerweise scheinen ihm solche Beurteilungen und Zensuren nichts ausgemacht zu haben. Scheinbar unbeeindruckt nahm er sie hin, so wie auch die häufigen Ermahnungen und Arreststrafen wegen Verspätungen, Herumtreibens, ungehöriger Bekleidung, verbotenen Rauchens in der Öffentlichkeit; von den Zöglingen, seines Jahrgangs war er der meistbestrafte.

Vielleicht berührte ihn dies alles deswegen so wenig, weil er eigentlich in einer anderen Welt lebte, in einem Traumland, das er sich zusammen mit einem Freund erdacht hatte. Es war das Paradies, war. Arkadien, war das Goldene Zeitalter, war Möglichkeit der Zuflucht vor. Zwang, Anspruch, ständiger Gefährdung.

Seine Empfindlichkeit gegenüber der Welt, sein Versuch, sich vor allen äußeren Einflüssen abzuschirmen, blieb nicht verborgen. Schon der Knabe, der nach dem frühen Tod des Vaters im Hause eines Onkels, aufwuchs, war nur glücklich, wenn er sich in eine dämmerige Kammer, in eine Höhle oder einen Verschlag unter dem Dachboden zurückziehen konnte.

Nicht nur der Knabe, nicht nur der Jüngling, auch der Mann zog sich vor der Weit zurück, vor einer Welt, die sich zunehmend auf den Erfolg hin orientierte, die lauter und vulgärer wurde: „Wie von entlegenen Sternenkreisen fallen die Töne aus silbernen Posaunen, eiskalt, Mark, und Seele durchschneidend, herunter durch die blaue Nacht.

Konnte ein solcher Mann erfolgreich; sein, erfolgreich. im alltäglichen Sinn? Er studierte (weil es das billigste war und er dabei vom Staat unterstützt würde) Theologie. Einmal begehrte; er auf: „Alles, nur kein Geistlicher!“ Er wagte sogar einen Ausbruch, aus der vorgegebenen Bahn und übernahm die Redaktion feiner – Frauenzeitschrift, aber nur allzubald erschien ihm das „journalistische Häckselschneiden“ noch schlimmer. als das theologische, und er kehrte enttäuscht auf den alten Weg zurück; Und schließlich saß er in einem für sein Schutzbedürfnis viel zu großen Pfarrhaus, in dem er seine Gesundheit für gefährdet hielt, so daß er die wenigen Pflichten seines Berufes bald nicht mehr-erfüllen zu können meinte und sich, noch nicht 40 Jahre alt, pensionieren ließ.

Als Freunde ihm die Möglichkeit verschafften, Mitglied der Tafelrunde des Königs von Bayern zu werden (was seine kärgliche Pension durch ein kleines Ehrengehalt verbessert haben würde), winkte er ab, weil ihm die einmal im Jahr erforderliche Teilnahme an der Runde zu beschwerlich schien: „Wenn Sie wüßten, welchen Entschluß es mich schon kostet, einer Gesellschaft zuliebe in einen anderen Rock zu schlüpfen!“ schrieb er. –