Das in Uruguay herrschende Militär hat am vergangenen Sonntag eine Niederlage erlitten: Fast 54 Prozent stimmten gegen ihren Verfassungs-Entwurf.

Uruguay – einst als "Schweiz Südamerikas" gepriesen – wird seit 1973 de facto vom Militär beherrscht; die Präsidenten sind Marionetten. Einst von den Politikern gerufen, um den Terror zu bekämpfen, haben die Offiziere nicht nur diese Aufgabe erledigt, sondern anschließend das kleine Land am La Plata in die "Folterkammer Südamerikas" verwandelt.

Seit drei Jahren bekennt sich auch Montevideo zur "Re-Demokratisierung", freilich in einer Form, die den Offizieren auf Jahrzehnte das letzte Wort sichern soll. Dabei verstehen sich die Militärs als Garanten des agrarischen Großbürgertums, das nach Aussagen aller Fachleute weder willens noch stark noch finanzkräftig genug ist, das Land zum alten Wohlstand zurückzuführen.

Die neue Verfassung sah vor, bei beschränkten Rechten der Parteien und des Parlaments einen Nationalen Sicherheitsrat, zu installieren, in dem die Militärs die Mehrheit gestellt hätten. Für 1982 waren Präsidenten-"Wahlen" geplant; doch der einzige Kandidat hätte das Placet des Sicherheits-Rates haben müssen.

Bis zuletzt war der Verfassungs-Entwurf vor den rund zwei Millionen stimmberechtigten (und wahl pflichtigen) Uruguayern geheimgehalten worden; etwa 80 Prozent gingen zu den Urnen; Abstimmung und Auszählung waren relativ korrekt. Dann geschah indes, was die Militärs nicht erwartet hatten: Die verbotenen Parteien riskierten öffentliche Angriffe und bekannten sich zum "No". Etwa 54 Prozent folgten ihnen; rund 39 Prozent votierten "Si" (hauptsächlich in den Landprovinzen); der Rest der Stimmen war Anfang der Woche noch umstritten.

Den Ausgang des Referendums hat das Militär mit der lakonischen Bemerkung kommentiert, er sei "ohne Belang"; ihre ungeschmälerte Macht dauert also unmaskiert an. Die Nachbarn zeigten mehr Interresse, weil auch sie mit Plänen einer "kontrollierten" Demokratie spielen.

Horst Bieber