Der Pressesprecher der CDU/CSU-Fraktion, Eduard Ackermann, machte ein Gesicht wie eine Katze, die am Sahnetopf war. Kein Wunder, denn so liebevoll ist die Presse mit der Opposition schon lange nicht mehr umgegangen und so kratzbürstig auch nicht mit der Koalition.

Ein anderer CDU-Stratege ließ genußvoll die Zeitungen des Wochenanfangs Revue passieren: die Endzeit-Epistel des Spiegels, die Spekulationen von Bild über die Amtsmüdigkeit Helmut Schmidts und den raunzigen und gereizten Meinungsaustausch in der Koalition, wo unter dem Motto, die Koalition müsse zusammenhalten, die Meinungsverschiedenheiten pfleglich weiterbehandelt wurden.

Um Gottes willen jetzt nicht die Konfrontation mit der Regierung suchen, so etwa lautet die Marschorder der Union; man muß der Koalition die Gelegenheit bieten, sich unbedrängt von der Opposition ihrer Selbstdarstellung zu widmen. Und um einen Rückfall in die traditionelle Wurstzipfel-Strategie der Opposition (der Erfolg ist nahe, schnappen wir zu) zu verhindern, wird die Botschaft verkündet: „Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU hat sich auf vier Jahre Opposition eingestellt.“

So ganz von ungefähr kommt diese Mahnung in Form einer Feststellung nicht. Im gerüchteanfälligen Bonn hat wieder einmal das Nachdenken über die Zukunft der Koalition begonnen. Die Süddeutsche Zeitung bemerkte: „Es ist Genscher nicht entgangen, daß in der Union bereits darüber nachgedacht wird, welche Anknüpfungspunkte es für eine engere Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten gibt.“

Fast so, als wäre sie bestellt, kam die Antwort aus der SPD. Die FAZ berichtete von einem Treffen des Vogel-Metzger-Kreises, der Kanzler habe dort bemängelt, daß die SPD gegenwärtig nur mit der FDP koalitionsfähig sei. Einige gesellschaftspolitische Ziele, etwa die Sicherung der Montanmitbestimmung, schienen manchen SPD-Politikern mit der Union ohnehin leichter erreichbar.

Diese Überlegungen sind, das wird an der kühlen Reaktion der Union deutlich, gewiß nicht für den Sofortgebrauch bestimmt. Sie erklären sich mehr aus der in der SPD immer noch anhaltenden Unzufriedenheit über das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen.

Freundlich gehen die Koalitionspartner gegenwärtig nicht miteinander um. Und die Auseinandersetzung entzündet sich nicht selten am Namen des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Milton Friedman aus der Chicago-Schule.