...wollen Menschen immer „den Chef persönlich“ sprechen? Ob in Ämtern oder Museen, Theatern, Zeitungen oder Behörden: der Sachbearbeiter, der Referent, der Redakteur soll es nicht sein; die Sekretärin darf es, natürlich, schon gar nicht sein.

Warum eigentlich nicht? Eine gute Sekretärin ist meist kundiger, zuverlässiger, weiß in vielem besser Bescheid als der sogenannte „Chef“, der sich für den Donnerstag in Wien verabredet, an dem er in Berlin ist, oder der einen Artikel zum 80. Geburtstag von Else Lasker-Schüler bestellt, wenn es der 81. ist;

Fühlen Menschen sich erhoben, erhaben, wenn sie „den Chef: persönlich“ an der Strippe haben (der dabei vermutlich Zeitung liest}? „Ich schreibe an den Minister“ – gibt dieser Satz das Gefühl, einen Strahl von der Sonne der Macht zu erhaschen? Die Leute, die sich über etwas beschweren, etwas kritisieren – Beschwerde und Kritik aber immer an den „Vorgesetzten“ schicken: Was, glauben sie, geschieht, damit? Der „Vorgesetzte“ schreibt mit Filzstift drauf: „Bitte Entwurf einer Antwort“ – und schickt’s per Hauspost an den, den’s betrifft. Und dann kommt die Antwort, und der „Chef persönlich“ hat’s unterschrieben, ohne hinzusehen, was. Denn er verläßt sich auf den Sachbearbeiter, Referenten, Redakteur, Dramaturgen; und die Sekretärin. Und nun werde ich vermutlich wegen „Geheimnisverrats“ beklagt – oder angerufen: „Bitte den Chef per-

F.J.R.