Träume von einer Welt, die überall und nirgends ist, nannte Novalis die Märchen. Einer, der noch heute diese Feenwelt genau zu kennen scheint, die Phantasmagorien der Märchen in „realistische“ Bilder fassen kann, als sei er selbst vom Raben im schwarzen Frack über den schwarzen Fluß gerudert worden oder habe Jahre in Traumlandschaften über den Wolken gehaust, ist Friedrich Hechelmann. Der junge Maler wird zur Wiener Schule der phantastischen Realisten gezählt, versteht sich auf Landschafterei in der Manier romantischer und realistischer Gebärde, auf gewaltige Perspektiven, düsteren Pomp, Rätsel, Schrecken, Schauer, kühne, düstere Bilder, auf die Tag- und die Nachtseite der Märchen. Visionäre Elemente wie in den Landschaftsmalereien der englischen Romantiker finden sich in seinen Bildern. Ob es ein elysäisches Gefilde oder ein Pandämonium ist, er malt, als lege er’s drauf an, Füchse und Wölfe zum Heulen zu bringen.

Auch in diesem Märchen vom Theaterdirektor Suppenstroh haben ihn wieder die bizarren und grauslich zauberischen Momente am stärksten fasziniert. Wie in seinen Illustrationen zu „Klein Zaches genannt Zinnober oder dem „Zwerg Nase erscheinen Menschen winzig, ironisch verzerrt, in Kostüme gebracht wie unglückliche schwarz getönte Nachtfalter.

Und die wundersame Geschichte des hageren Justus Suppenstroh, der als Theatermann seinem Fürsten mit Schabernack, Posse und Tollheiten zu Diensten sein soll, damit seine Durchlaucht den zugereisten Herzog standesgemäß amüsieren kann, erinnert natürlich an Wilhelm Hauff: an Mimi, die Gans, und den unglücklichen Nase, die schließlich mit dem Kräutlein Niesmitlust einen Pastetenfrieden stifteten. Suppenstroh allerdings paktiert gegen fürstliche Willkür, die seinen Kopf kosten soll, nicht mit einem zahmen Gänslein, sondern einem tückischen Ziegenbock und gerät in finstere Verzweiflung.

Das Märchen von Matthäus Mummenschanz – hinter diesem Namen verbirgt sich einer, der wunderschön im Stile der Romantiker zu erzählen weiß – gibt Hechelmann den Anlaß zu phantastischen Traumbildern, gewaltigen Panoramen, schillernden Grotten, schönen Interieurs. Hechelmann poetisiert alles, was er anrührt. Die Illustrationen – himmelweit ab von den Genrebildchen, die üblicherweise sehr harmlos die Märchen begleiten – faszinieren gleichermaßen Laien und Kenner, Erwachsene und Kinder.

Ute Blaich

Friedrich Hechelmann (Ill.) und Matthäus Mummenschanz (Text): „Justus Suppenstroh“; Artemis Verlag, München; 28. S., 64,– DM