Von Claus-Peter Lieckfeld

Mit geübtem Griff lockert Papa die ölablaßschraube. Eine braunschwarze Flüssigkeit pulst in schwächer werdendem Strahl unten aus dem Rasenmäher in eine Blechdose.

„Warum machst du das, Papa?“ Jens, fünf Jahre, will es wissen. „Damit der Rasenmäher wieder besser läuft, braucht er neues Öl, verstehst du?“ Jens nickt.

Nun balanciert Papa die Dose, randvoll ist sie, einige Schritte über den Gehweg. Die neuen Waschbetonfliesen dürfen keine Flecke bekommen. Papa kippt die schwappende Brühe hinter die Garage. „Weg mit dem Dreck“, sagt er (Papa weiß nämlich, daß Vorschulkinder Erklärungen brauchen) und fügt hinzu: ,,Das ist Altöl, verbraucht, ganz dreckig. Das muß weg.“ Jens nickt.

Reden wir jetzt nicht von der an dieser Stelle fälligen ökologischen Verhältniszahl – ein Liter Öl vernichtet soundsoviel Hektoliter Grundwasser –, diese Zahl sagt so wenig über unsere Verhältnisse, in denen Seveso, Stoltzenberg und Harrisburg Alltag sind, wie abgewählte Wahlen. Reden wir von einer Katastrophe ohne Nachrichtenwert.

Jens, fünf Jahre, hat soeben eine Lektion seines Selbstmordprogramms gelernt. Von einem guten Vater übrigens, der vor sich und seiner Frau den Überstundenstreß rechtfertigt, indem er die Zukunft seines Sohnes; beschwört. Jens hat gelernt: Verbrauchtes und Schmutziges gehört weggeschmissen, damit hat es’seine Ordnung.

Diese Ordnung in den Köpfen, die ihre Entlarvung mühelos überlebt, ist ein gesellschaftliches Problem. Sie ist das Problem der „Zentralstelle für Umwelterziehung“ an der Universität Essen, die zugleich wichtige Koordinierungsaufgaben für die UNESCO wahrnimmt.