Von Georg Jung

Allwöchentlich mußten die Neuseeländer bis vor kurzem ihr Auto einen Tag lang in der Garage lassen, weil ein Gesetz zur Energieeinsparung es so befahl. Der Ukas ist jetzt „unter Vorbehalt“ aufgehoben worden; der Aufkleber, der an jedem Auto den „freien Tag“ anzeigte, muß aber weiterhin gut sichtbar haften bleiben. Die nächste Ölkrise kommt bestimmt.

Und dann hat Dan Hansen wieder gut lachen: Er füllt einen Sack Kohle in den „Kübel“ am Heck seines Fiat-Transporters und auf geht’s – ohne Benzin. Die Gesetzeshüter könnten ihm nichts anhaben; als er kürzlich an „seinem“ Benzinspartag in eine Verkehrskontrolle kam, deutete er nur grinsend nach hinten, wo es aus einem zylinderförmigen Brenner heraus dampfte, zischte und brodelte.

Hansen rollte mit einem „Gasproducer“, der aus der Verbrennung von Kohle bei kontrollierter Wasser- und Luftzufuhr ein Gasgemisch erzeugt, mit dem sich herkömmliche Verbrennungsmotoren ebenso betreiben lassen wie mit Benzin und Diesel. Und damit spart er viel Geld, bei den derzeitigen Benzinpreisen etwa 70 Prozent. Mit einer Füllung Kohle, das sind etwa 50 Kilo, kommt er rund 250 Kilometer weit.

Das Prinzip ist uralt. Es geht auf die Zeit zurück, da flüssiger Treibstoff für Fahrzeuge noch nicht verfügbar war. Im Laufe sich rasch entwickelnder Technologie ist es dann völlig in Vergessenheit geraten und nur in den Weltkriegen neu entdeckt worden, als der Ölfluß knapper wurde.

Dan Hansen, ein 61 jähriger Farmer, ist seit ihrer Gründung vor 15 Jahren Mitglied der auf Selbstversorgung ausgerichteten Community „Wilderland“. Verärgert über die Benzinpreissteigerungen der letzten fünf Jahre – die Steigerungsrate betrug in diesem Zeitraum 400 Prozent in Neuseeland – erinnerte er sich der Zeit des Zweiten Weltkrieges, da er schon einmal zusammen mit seinen Brüdern eine Gasmaschine entwickelte, in einen Dodge einbaute und damit 65 000 Kilometer zurücklegte.

Die Umrüstung seines Fiat-Transporters, der mit einer 1300-Kubik-Maschine ausgestattet ist, erforderte keine kostspieligen und aufwendigen Veränderungen. Überwiegend aus Restmaterialien seiner Werkstatt schweißte er die Teile für den „Vergaser“ zusammen. „Jeder, der einige Geschicklichkeit im Umgang mit einem Schweißbrenner hat, kann das selber machen“, beteuerte er. Am Motor selbst habe er beim Umbau nichts verändert, jeder Wagentyp, unabhängig von der Leistung, soll sich so umrüsten lassen. In „Wilderland“ gibt es auch einen Traktor, der mit Kohle läuft. Es habe, so erzählte Dan, sogar schon kohlegetriebene Motorräder gegeben. Der „Gasproducer“ arbeitet parallel zum Benzinsystem und läßt sich mit diesem auch kombinieren, wenn beispielsweise mehr Kraft gebraucht wird. Mit zwei getrennt zu bedienenden Gashebeln kann jeweils das eine oder andere Verfahren genutzt werden. Motorschäden hat Hansen in seiner zehnjährigen Fahrpraxis „auf Kohle“ noch nicht beheben müssen.