Nissan hält es mit Europa

Von Helmut Becker

In der Arena des Weltautomarktes ist General Motors der Superstar“, erinnerte die japanische Tageszeitung Mainichi ihre Leser. Vor diesem Hintergrund müsse man die Kooperationsgespräche zwischen Nissan und VW sehen. Erst „das Zusammengehen Nissan/VW wird beiden erlauben, mit den Titanen gleichzuziehen“. Die geplante Lizenzproduktion von VW-Modellen durch Nissan in Japan wird von Japans Presse als erster Schritt zu einer europäisch/japanischen Vernunftehe interpretiert.

Auch Japans stolzer Marktführer Toyota beschwört die amerikanische Herausforderung. Toyotas Chairman Hanai klagte über die „astronomischen Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Amerikaner“ und resignierte: „Toyota kann es mit General Motors nicht aufnehmen.“ Das Spitzenmanagement der Toyota-Gruppe orakelt: „1983 wird der Subkompaktwagen-Weltkrieg ausbrechen.“

Im Zenit ihres Welterfolges geben sich die Manager in den Konzernzentralen der japanischen Kraftwagenindustrie beinahe kleinmütig. Zwar wird die Branche bis zum Jahresende elf Millionen Kraftwagen produzieren und davon über die Hälfte exportiert haben, aber niemand wird mit dem Riesenwuchs von Nippons Autoindustrie so recht froh – selbst nicht die zur Größe verdammte Autogiganten des Inselreiches.

Nur wenige Imperien

Denn der weltweite Markterfolg hat starken Gegendruck erzeugt. Die Investitionsentscheidungen der Branche sind seit über einem Jahr – sehr zum Verdruß des Managements – zu einem wichtigen Teil der japanischen Außenpolitik geworden. Diese Vermischung von unternehmerischen und politischen Interessen lasten als schwere Hypothek auf Nippons Autobauern. Gleich erfahrenen Diplomaten des 19. Jahrhunderts müssen sie Allianzen und Rückversicherungen schließen und versuchen, die erzürnten Kfz-Großmächte USA und Europa zu beruhigen.