Die Hoffnungen, die Commerzbank und die Dresdner Bank würden in den letzten Monaten dieses Jahres die im ersten Halbjahr 1980 eingetretenen Ertragsrückgänge aufholen können, haben sich nicht erfüllt. Die Aktionäre der Commerzbank müssen für 1980 mit einem Dividendensausfall, die der Dresdner Bank mit einer Ausschüttungskürzung rechnen.

Böse Zungen sprechen davon, meine verehrten Leser, daß sich in diesem Jahr bei den Banken die „Spreu vom Weizen“ getrennt hat. Die Ertragsmisere, die jetzt bei einigen namhaften Kreditinstituten sichtbar geworden ist, läßt sich nämlich nicht einfach auf die ungenügende Zinsmarge oder auf die durch die Notenbankpolitik hohen Effektenabschreibungen zurückführen. Daß sich trotz dieser zweifellos bestehenden Belastungen ausgezeichnete Ergebnisse erzielen ließen, beweist die Deutsche Bank mit ihrem Zwischenbericht über die ersten zehn Monate des laufenden Jahres.

Wenn nicht noch dramatische Ereignisse eintreten, wird Deutschlands größte Bank mit dem Jahr 1980 das erfolgreichste ihrer Nachkriegsgeschichte abschließen. Trotz Wertpapierabschreibungen, die bei ihr in etwa 100 Millionen Mark erreichen werden, und trotz einiger Einbußen im Kreditgeschäft. Das Geheimnis ihres Erfolges liegt darin, daß sich die Deutsche Bank bereits seit Mitte vergangenen Jahres betont ertragsorientiert verhalten und auf Wachstum ohne Nutzen verzichtet hat. Offensichtlich hat sie rechtzeitig die Gefahren erkannt, die in der Gewährung langlaufender Festzinskredite liegen, wenn sie nicht zeitübereinstimmend refinanziert sind.

Das drückt sich heute in der Zinsmarge und in den Gewinnen aus, die von der Deutschen Bank im Zinsgeschäft erzielt werden. Daß dabei auch das Auslandsgeschäft, wo sich noch auskömmliche Zinsmargen erreichen lassen, beigetragen hat, sei nur am Rande erwähnt. Immerhin zeigt ein Blick auf die Tabelle „So lebten sich die Großbanken weiter auseinander...“, daß die Deutsche Bank mit ihrem Kreditvolumen, das Ende Oktober 1980 nur um knapp 12 Prozent höher lag als das der Dresdner Bank, mehr als 80 Prozent verdient hat als die Dresdner Bank.

Und noch ein Hinweis auf die Ertragsüberlegenheit der Deutschen Bank: Ihr Geschäftsvolumen ist um 63-Prozent höher als das der Commerzbank. Der laufende Ertrag der Deutschen Bank liegt mit 874 Millionen Mark aber um 820 Prozent höher. Würde man bei der Deutschen Bank die zeitanteiligen Aufwendungen für Pensionsrückstellungen ausklammern, wie es bei der Commerzbank und auch bei der Dresdner Bank geschieht, läge der Ertrag aus dem laufenden Geschäft sogar um mehr als zehnmal höher als bei der Commerzbank.

Wer sich dies vor Augen hält, wird sich fragen müssen, ob die Kursdifferenz zwischen einer Aktie der Deutschen Bank – sie wird mit knapp 290 Mark notiert – und der Commerzbank mit 136 Mark bereits groß genug ist.

Auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf wollten die beiden Sprecher des Deutsche-Bank-Vorstandes zur Dividendenfrage noch nicht Stellung nehmen. Kein Zweifel, daß eine Dividendenanhebung trotz der besonderen Risikovorsorge, die in diesen Zeiten durchaus angebracht ist, möglich wäre. Aus „Solidaritätsgründen“, so heißt es in den Börsensälen, würde die Deutsche Bank aber wohl auf den Triumph einer höheren Dividende; verzichten.