Der Protest kam wie erwartet. Waren es zu Beginn des Semesters die übervollen Seminare, die besonders den Erstsemestern die Illusionen vom ordentlichen Studium raubten, so nahmen in der letzten Woche Tausende von Studenten die angekündigten Sparmaßnahmen im Bildungsbereich zum Anlaß für Demonstrationen. Nun ist studentischer Protest nichts Neues. Er gehört zum Hochschulalltag wie das Drehen der Gebetstrommeln zum buddhistischen Tempel. Doch die Demonstrationen der letzten Tage verdienen mehr Aufmerksamkeit als die vorausgegangener Semester.

Nicht nur die große Zahl der Demonstranten überrascht. Ob in München, Wiesbaden, Dortmund oder Kassel – überall staunten die Veranstalter auch darüber, daß Studenten, Professoren und Hochschulleitungen gemeinsam auf die Straße gingen. Das hat es seit einem Jahrzehnt nicht mehr gegeben.

Weniger auffallend, aber gleichwohl ungewöhnlich war auch, daß unter die Forderungen nach mehr Seminarräumen und Tutoren kaum allgemein-politische und ideologische Parolen gemischt wurden. Den Studenten geht es im Gegensatz zu ihren Vorgängern vor zehn Jahren nicht um ferne politische Ziele – den Krieg in Vietnam oder die Veränderung der Gesellschaft –, sondern um die eigenen unmittelbaren Interessen. Das macht ihren Protest nicht weniger heftig. Im Gegenteil: Soziale Probleme bahnen sich an.

Ohnehin stellt sich die Frage, ob die Sparmaßnahmen, wie etwa die drastische Einschränkung des Hochschulbaus, am Ende nicht doch wieder neue Kosten verursachen werden. Was zum Beispiel soll mit den halbfertigen neugegründeten Universitäten geschehen? Wer soll an Hochschulen studieren, die noch keine Bibliothek oder Mensa haben? Sollen solche halbfertigen Hochschulen geschlossen werden, und als Bildungsruinen die Landschaft verschandeln?

Zwar geht es nicht um die grundsätzliche Alternative „Bildung oder Rüstung“, die Hamburgs Universitäts-Präsident Peter Fischer-Appelt als Parole auf Luftballons drucken und von seinen Studenten verteilen ließ. Doch nötig wäre es schon, einige Sparvorhaben zu revidieren.

Wie die Dinge jetzt; stehen, wären die Universitäten nicht einmal in der Lage, angefangene Bauten fertigzustellen. Anstatt überall die Hälfte einzusparen, sollten darum lieber einige Projekte ganz gestrichen und dafür neugegründete Universitäten wie Bamberg und Kassel zu Ende gebaut werden.

Der Appell jedenfalls, das Vertrauen der Studenten nicht zu verspielen, den Hamburgs Wissenschaftssenator Hansjörg Sinn an seine Kollegen richtete, ist angebracht. Geld ließe sich auch sparen, wenn man die Gehälter der Hochschullehrer einfrieren würde.