Der neue Forschungsminister Andreas von Bülow hat seine Sondierungsgespräche mit Vertretern der deutschen Industrie eingeleitet. Einer der ersten Industriellen, die von Bülow ihre Aufwartung gemacht haben, war Bernhard Plettner, Vorstandsvorsitzender von Siemens in München.

Daß der Besuch von Plettner nicht nur reinen Höflichkeitscharakter hatte, sondern sich vorrangig um die bange Frage aller Zuwendungsempfänger drehte, welche Förderprojekte angesichts der knappen Geldmittel des Ministers Vorrang haben und welche dem Rotstift zum Opfer fallen werden, versteht sich von selbst.

In der umstrittenen Frage, ob die direkte projektbezogene Forschungsförderung zugunsten der indirekten Förderung über Steuervergünstigungen oder pauschale Zuschüsse abgebaut werden soll, konnte Plettner allerdings die Gewißheit mit nach München nehmen, daß auch Bülow die Bonner Förderpolitik nicht grundlegend umkrempeln wird. Allerdings muß die Siemens AG, größter Zuwendungsempfänger des Bundes, ebenso wie andere Großunternehmen höheren Eigenbeteiligung rech-

Bei einigen Großprojekten, insbesondere bei den fortgeschrittenen Reaktorlinien, an denen auch die Siemens AG über ihre Töchter beteiligt ist, wird Bülow allerdings Schwierigkeiten haben, der Industrie Zugeständnisse abzuringen. Immerhin gibt es Verträge, die für Unternehmen Grundlage der eigenen Kalkulation gewesen sind.

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Hans Ambos, Ministerialdirigent im Verteidigungsministerium, hat die Schwierigkeiten, die sein Minister Hans Apel gegenwärtig mit der Bezahlung fälliget Rechnungen für das Kampfflugzeug „Tornado“ hat, um eine pikante Note bereichert. In der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift Wehrtechnik setzte Ambos sich mit der Kostenentwicklung dieses Wafiensystems auseinander.

Während sein Minister kaum ein und aus weiß, die gerade jetzt anfallende Kostenlawine zu überbrücken und überdies auch noch um sein eigenes politisches Schicksal wird kämpfen müssen, wartet Ambos mit der These auf, „ein unkontrollierter Kostenverlauf kann nicht nachgewiesen werden“. Gipfel der Pikanterie: Ambos ist Systembeauftragter für das Projekt Kampfflugzeug „Tornado“ und gehört auch noch jenem Gremium an, in dem es bis vor einem Jahr keine Finanzkontrolle über den Ablauf dieses Waffenprogramms gegeben hat. Was Apel als verant-