Verteidigungsminister Hans Apel läßt jetzt in Bonn prüfen, wo Frauen in der Bundeswehr Platz haben

Unser Grundgesetz, das zu Recht als vorbildlich gilt, postuliert ausgerechnet in einem Artikel, der jedem Menschen die freie Berufsausübung garantieren soll, ein Berufsverbot. Ein Berufsverbot, das die Hälfte der bundesrepublikanischen Bevölkerung trifft: die Frauen.

„Frauen dürfen nicht zu einer Dienstleistung im Verband der Streitkräfte durch Gesetz verpflichtet werden“, lautet ein Zusatz zu Artikel 12, und weiter: „Zu einem Dienst mit der Waffe dürfen sie in keinem Fall verwendet werden.“ Und es war eine Frau, die diesem apodiktischen Verbot das ideologische Unterfutter verpaßte. Elisabeth Schwarzkopf, Mitglied der CDU und Berichterstatterin des Rechtsausschusses, erklärte 1956 den Parlamentariern: „Es kam dem Rechtsausschuß darauf an, daß mit programmatischem Nachdruck im Grundgesetz ausgesprochen wird, daß unsere Auffassung von der Natur und der Bestimmung der Frau einen Dienst mit der Waffe verbietet.“

Die Frau ist friedfertig, gibt und erhält Leben? Dies war immer ein Mythos und ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Frauen in einer ganz und gar nicht friedfertigen Welt naturbedingte Friedfertigkeit einzureden, heißt obendrein, sie zu ohnmächtigen Wesen zu erklären, zu Zier- und Aushängeschildern einer Gesellschaft, in der tagtäglich kämpfen muß, wer seine Rechte, seine Interessen oder seinen Machtanspruch durchsetzen will. Konsequent wird dem Mythos von der holden Weiblichkeit immer dann neues Leben eingehaucht, wenn es darum geht, Frauen aus traditionell männlichen Bastionen fernzuhalten – seien es Chefetagen, Professorensessel oder Generalstäbe. Sie sei Hausfrau und Mutter, im Beruf in dienender Funktion, denn eine Frau, die Befehle erteilt, ist unweiblich, eine Chefin, die sich benimmt wie ein Chef, ist sogleich eine schwierige Person.

Ausgerechnet aber die Feministinnen, die Kämpferinnen wider den Weiblichkeitswahn, die Verfechterinnen gleicher Rechte für Männer und Frauen, die Kombattantinnen gegen den Sexismus, die Diskriminierung auf Grund des Geschlechts – ausgerechnet sie sind gänzlich zerstritten über die Frage: Sollen Frauen die Kasernentore geöffnet werden?

Die Gegnerinnen eines freiwilligen Wehrdienstes für Frauen (nur darum geht es in der gegenwärtigen Diskussion) sagen: Ich bin gegen den Krieg, gegen das Töten, gegen blinden Befehlsgehorsam, gegen Gleichschritt, gegen eine weitere Militarisierung der Gesellschaft. Also dürfen Frauen keine Soldatinnen werden!

Die Befürworterinnen, an ihrer Spitze Alice Schwarzer, argumentieren: Bei der Frage „Frauen in die Bundeswehr?“ gehe es nicht um die Entscheidung über Krieg oder Frieden. Es gehe im Macht oder Ohnmacht der Frauen in einem „gesellschaftlich so relevanten Bereich“ wie der Bundeswehr. Wer Frauen aus dem Wehrdienst ausschließt, ist kein Pazifist, sondern ein Sexist, argumentieren sie. Also Frauen, kämpft für das Recht, Soldatin werden zu dürfen, besser noch: Kämpft für das Recht, den Kriegsdienst zu verweigern (dies ist das eigentliche Anliegen der Frauen, die das Recht auf Wehrdienst wollen), kämpft für eine aktive Rolle auch in militärischen Fragen!