• Früher stieg der Absatz von Superbenzin stets schneller als der von Normalkraftstoff. In diesem Jahr ist es umgekehrt, mehr noch, der Super-Absatz ist sogar rückläufig. Wird die Mineralölindustrie von einer Sparwelle getroffen?

Kohlmorgen: Es ist richtig, daß beispielsweise in den ersten zehn Monaten dieses Jahres der Absatz von Normalbenzin um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen ist, während der Superabsatz um 1,5 Prozent zurückging. In früheren Jahren verlief diese Entwicklung umgekehrt. Für uns ist das keine Überraschung, denn, wie beim Verbrauch aller Produkte, die seit der Energiekrise teurer wurden, betreibt der Verbraucher die beste Energiepolitik – er spart. Denken Sie nur an den Verbrauch leichten Heizöls, der absolut zurückgegangen ist. Das relativ stärkste Sparen von Superbenzin hat natürlich auch strukturelle Ursachen. – Die Ölindustrie hat sich diesen Veränderungen schnell angepaßt, genauso wie sie sich in der Vergangenheit auf einen zunehmenden Superbenzin-Anteil einstellte.

  • Könnte es sein, daß der Verbraucher durch die Werbung in früheren Jahren auf den „Supertrip“ gekommen ist?

Kohlmorgen! Das würde ich nicht unbedingt der Werbung zuschreiben, vielmehr macht sich hier eine menschliche Eigenheit bemerkbar, sich immer das Beste zu leisten, auch wenn es teuer oder schon immer teurer war.

  • Spielt neben dem Sparen vielleicht auch eine andere Zusammensetzung der Autoflotte eine Rolle; nimmt also der Anteil der für Normalbenzin ausgelegten Motoren ab

Kohlmorgen: Das meinte ich, als ich von strukturellen Änderungen sprach. Der Anteil Normalbenzin verbrauchender neu zugelassener Wagen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Auch wurden relativ mehr kleinere Wagen neu zugelassen. Von gravierendem Einfluß halte ich aber diese Entwicklung zur Zeit noch nicht. Vielmehr glaube ich, daß mit höherem Preisniveau der Verbraucher nicht mehr seinem Auto mit Superbenzin etwas Gutes antut, obwohl er technisch mit seinem betreffenden Fahrzeug schon immer mit Normalbenzin ausgekommen wäre. Diesen Luxus können sich immer weniger leisten.

  • Für den Verbraucher ist es auf den ersten Blick sehr erfreulich, einen Motor zu haben, der mit Normalbenzin auskommt, weil ein Liter dieses Kraftstoffes im Schnitt um fünf Pfennig je Liter billiger ist als Super. Aber wird da nicht am falschen Ende gespart, nutzt nicht der höher verdichtete Motor, der Super braucht, den Kraftstoff besser aus?

Kohlmorgen: Das ist im Prinzip richtig. Eine Fülle von Faktoren bestimmt jedoch die Attraktivität für den Verbrauch von Superbenzin. Es kommt sowohl auf die Preisdifferenz zwischen Super- und Normalbenzin, als auch „auf den jeweiligen Verbrauch je hand der Diese Entscheidung hat bereits der Motorenhersteller getroffen – sicherlich in Abwägung der Preisdifferenz gegenüber der höheren Kilometerleistung pro Liter. hgk