Von Rudolf Herlt

Die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik ist wieder deutlich gestiegen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat jetzt eine sehr pessimistische Prognose vorgelegt. Die drohende Rezession wird die Diskussion über die wirkungsvolle Bekämpfung der Arbeitslosigkeit neu beleben.

Was sichgegenwärtig in der öffentlichen wirtschaftspolitischen Diskussion abspielt, ist nur ein Vorgeplänkel. Bald werden die Matadoren aufmarschieren, um die Öffentlichkeit von der Richtigkeit ihrer Ansichten zu überzeugen. Dabei wird es um die Frage gehen; Wie befreien wir uns von der Geißel Arbeitslosigkeit – sollen wir den Verbrauchern mehr Geld in die Hand geben oder lieber die Unternehmer in die Lage versetzen, mehr und vor allem das von den Verbrauchern Gewünschte zu produzieren? Anders ausgedrückt: Soll die Wirtschaftspolitik die Nachfrage steuern oder lieber das Angebot?

Über, die Alternative Keynes oder Friedman ist die Zeit längst hinweggegangen. Die Rezepte des einen schlagen ebensowenig an wie die des anderen. Die schönen Tage sind vorbei, da die Bonner Wirtschaftspolitiker genau wußten, was zu tun war, wenn der Konjunkturmotor zu langsam ging oder wenn er heiß gelaufen war. Für den einen wie den anderen Fall hielt das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz eine ganze Reihe von Waffen bereit, mit denen der Lauf der Dinge im gewünschten Sinne beeinflußt werden konnte. Karl Schiller war der letzte Minister, der mit diesen Instrumenten erfolgreich gearbeitet hat.

Aber schon damals war der Glaube an die Wirksamkeit der Instrumente stärker als ihre Wirksamkeit selbst. Immerhin – das Ergebnis war zweieinhalb Jahrzehnte lang nicht schlecht, Die Preise hatten das Galoppieren noch nicht gelernt; wer arbeiten wollte, fand einen Arbeitsplatz; der Kuchen, den die gesamte Wirtschaft gebacken hat, ist von Jahr zu Jahr größer geworden; im Ausland verkauften wir mehr, als wir von dort bezogen, und den Exportüberschuß transportierten wir gewinnbringend als Kapitalexport ins Ausland.

Heute ist alles anders. Die Preise galoppieren zwar trotz enorm gestiegener Ölpreise noch nicht, aber mehr als fünf Prozent Inflationsrate sind, gemessen an den Umdrehungen des Konjunkturmotors, immer noch zu hoch. Nicht jeder, der arbeiten möchte, findet einen Arbeitsplatz. Der Kuchen wurde im Jahresabstand nur noch geringfügig größer und wird vermutlich 1981 nur noch in der gleichen Größe reproduziert. Es gibt Kassandras in Kiel und anderswo im Lande, die voraussagen, daß er: im nächsten Jahr sogar schrumpfen werde. Im Verkehr mit dem Ausland haben wir einen dicken Fehlbetrag. Ihn müssen wir, solange er nicht durch größere Exporterfolge zu beseitigen ist, mit Kapitaleinfuhren aus dem Ausland oder durch den Griff in die Gold- und Devisenreserven der Bundesbank finanzieren.

In dieser Lage hilft auch das Rezept von Friedman und seiner monetaristischen Jünger nicht weiter. Sie hatten aus den Vorgängen der letzten Jahrzehnte die Erfahrung herausgefiltert, daß ein enger Zusammenhang bestehe zwischen der Geldmenge, die im Wirtschaftskreislauf zirkuliert, und der Kauflust. Sie halten das abwechselnde Gasgeben und Bremsen für das größte Übel und empfehlen eine mäßige, aber gleichmäßige Erhöhung der Geldmenge als Wundermittel. Wenn die Wirtschaftspolitiker im übrigen ihre Finger aus allem heraushalten und den Marktkräften freien Lauf lassen, müßte sich, so lehren sie, ein stetiges Wachstum einstellen.