Von Heinz Blüthmann

Es war nicht gerade die feine englische Art, mit der die britischen Gentlemen ihre deutschen Partner, aufs Kreuz legten – doch im Geschäftsleben ist es seit eh und je erlaubt, die Dummheit anderer für sich auszunutzen. Tüchtigkeit reimt sich auch auf Trick, Leistung auf List.

Der Coup, um den es hier geht, spielt in einem Geschäftszweig, von dem die Öffentlichkeit gewöhnlich wenig Notiz nimmt, der aber ohne Öffentlichkeit gar nicht existieren würde: der Handel mit Nachrichten, vornehmlich wirtschaftlichen. Schnelligkeit heißt dabei das oberste Gebot, denn Neuigkeiten sind eine leicht verderbliche Ware.

Diese elementare Einsicht freilich war vor sieben Jahren bei der damals laut Eigenwerbung „größten europäischen Wirtschafts-Nachrichtenagentur“, der deutschen Vereinigte Wirtschaftsdienste GmbH – kurz VWD genannt –, offenbar in Vergessenheit geraten. Denn unter Führung des Alt-Journalisten und ehemaligen Direktors der Deutschen Presse-Agentur (dpa), Hans Melchers, akzeptierte VWD einen Vertrag mit der britischen Agentur Reuters, der – so ein Insider – „VWD zur Schnecke machte“ und den Briten erlaubte, fast ungehindert den deutschen Markt zu erobern.

Die Spätfolgen der fatalen Fehlentscheidung – Umsatzrückgang von einst 30 auf 25 Millionen Mark und Millionen-Verluste – beschäftigten am Mittwoch dieser Woche den VWD-Verwaltungsrat. Unter dem Vorsitz des Stuttgarter Verlegers Otto W. Bechtle („Esslinger Zeitung“) wurde als neue Parole ausgegeben: Sparen und engere Kooperation mit dem Drittel-Gesellschafter dpa, der nun eine eigene Wirtschaftsredaktion aufbauen will. Ein VWD-Korrespondent: „Das ist für mich der Anfang vom Ende unserer Unabhängigkeit.“ Und: „Jetzt dauert es wohl nicht mehr lange, bis auch offiziell das Wort Sozialplan fällt.“ VWD beschäftigt rund 270 Mitarbeiter, davon sind etwa achtzig Redakteure.

Nachkriegsehe zu dritt