Hörenswert

Franz Liszt: „Sämtliche Werke für Klavier und Orchester“. Es gibt weder ein Jubiläum, noch, wurde ein wichtiges unbekanntes Werk gefunden: Franz Liszt, Stammvater der deutschen Abteilung der deskriptiven Musik, Mitbegründer der Neudeutschen Schule, Erfinder des „Klavierabends“ und Entdecker der Mittellage auf dem Klavier als hervorragend geeignet für sonore und kantable Tenorlinien – er scheint en vogue zu sein. Arrau spielt ihn, Lazar Berman spielt ihn, Mezzena spielt ihn – jetzt auch der junge französische Impressionisten- und Avantgarde-Prophet Michel Béroff. Nicht daß Béroff das Rhapsodische, die große Geste im Salon, das manchmal starke Parfüm ignorieren wollte – aber sein Liszt-Porträt in dieser Drei-Platten-Kassette ist eher in Pastelltönen gemalt, mit ganz leichten Farben, mit möglichst zartem Pinsel, in kleinen Formaten. Wenn er mit der Solo-Violine „konzertiert“, könnte man fast von einer Kammermusik, einem Sonatenabend sprechen. Begleitet wird er vom Leipziger Gewandhaus-Orchester unter Kurt Masur, sehr sauber, sehr anständig, mit manchmal etwas viel Hall, aber sehr schön in der klanglichen Abstufung und Mischung. (EMI 1 C 157-03 866/68)

Heinz Josef Herbort

„Deutsche Volkslieder“, gesammelt mit Neugier und wissenschaftlich unterstützter Akribie – eine gut überlegte Sammlung. Man begegnet Liedern in manchmal unbekannten Versionen; man hört „Die Königskinder“ endlich einmal wieder mit so viel Strophen, daß die Geschichte einen Sinn gibt; die „Jungfer Liese“ wiederum lernt man in einer fremden, nicht sehr spannenden Fassung und leider nicht auf plattdeutsch kennen (wonach es einen heftig verlangt); man hört überdies eine ganze Anzahl nicht oder kaum bekannter Lieder von bisweilen überraschender Schönheit. Allen sechzehn kommt eine sehr sympathische Art der Interpretation zugute, die ebenso wie das empfindsam-frische Arrangement des Gitarristen bemerkenswert uneitel ist – und wohl auch deshalb soviel Wärme hat. Oksana Sowiak und ihr Begleiter Anton Stingl haben genau die Mitte zwischen Einfalt und Raffiniertheit getroffen, zwischen Gasse und Oper, sie musizieren auf eine sehr kunstvolle Weise einfach. Das ist für diese Sparte der Musik, für Volkslieder, sehr wichtig und sehr selten (harmonia mundi/EMI Electrola 10 057-99 908) Manfred Sack

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In unserer Weihnachtsempfehlung muß die Bezugsquelle der Platte „Trieb und Frieden“ heißen: Sylvia Anders, Karlstraße 34, 2000 Hamburg 76.