Von Viola Roggenkamp

Gäbe es noch Scheiterhaufen – Alice Schwarzer wäre längst verbrannt. Die verbale Vergewaltigung, die sie sich von männlichen Journalisten und Leserbrief Schreibern gefallen lassen mußte, ist in der Geschichte der Bundesrepublik von grausamer Einmaligkeit. Was die deutsche Sprache an Zoten und Zynismus hergibt, hat sich über sie ergossen, brutal, aber auch subtil. In ihrem Gesicht ist das nachzulesen.

Ich kenne Alice Schwarzer seit vier Jahren; seitdem es Emma gibt, ist sie eine Freundin. Eine Frau von sensibelster Vitalität. Sie hat von allem reichlich, ist ein übermütiges, sinnliches, buntes Geschöpf, ist nie gebremst, nie konventionell, nie dressiert, ist ernst bis melancholisch, ist von großer Schlagfertigkeit, doch nie um des Effekts willen, stets aus zutiefst erlebtem Gerechtigkeitsgefühl, das die Basis ihres Intellekts ist. Darüber hinaus kann sie arbeiten, wie man es nur einem Pferd nachsagt.

Einige Frauen, auch Feministinnen, unterstellen ihr Größenwahn, bestrafen sie für Absolutheitsansprüche, die sie nicht hat. Sie ist dadurch einsamer geworden. Den Haß und die Obszönitäten mancher Männer konnte sie überleben. „Als es anfing, habe ich immer gedacht, das dürfen die doch gar nicht. Ich weiß jetzt, daß sie es dürfen und daß von allem etwas hängenbleibt.“ Jedoch im Innersten getroffen hat es sie, daß nun auch Frauen sie verteufeln, zum Beispiel SPD-Frauen, die ihr „kommerziellen Feminismus“ vorwerfen.

„Meine Arbeit“, sagt sie, „macht mir immer noch Spaß, aber in Augenblicken ist es schwer, damit zu leben. Ich bin unter Beobachtung und unter Beschuß. Sowohl in der Kölner Kneipe als auch im Frauenzentrum. Von mir wird erwartet, daß ich mich wie eine von nebenan verhalte –völlig zu Recht. Gleichzeitig aber muß ich gelassen das Getuschel überhören.“

Daß auch die eine und andere Feministin, selbst Freundinnen, sie Zur Un-Person machen, verletzt sie in ihrem Stolz. Ihr Wunsch ist es, das zu durchbrechen. „Ich bin ausgelieferter als je zuvor in meinem Leben. Heute kann jede Jobkraft zu Emma kommen und am nächsten Tag ‚die Wahrheit über Alice Schwarzer‘ erzählen.“

Solche Sätze von ihr werden immer zum Bumerang. Daß sie, Alice Schwarzer, über eine Frau als Jobkraft spricht und ihr noch unterstellt, sie würde über Alice zerstörerisch lästern wollen (was bereits in den Annalen von Emma nachzulesen ist), so etwas wird ihr prompt als frauenfeindlich um die Ohren geschlagen. Nur an ihr macht sich keiner und keine der Frauenfeindlichkeit schuldig. Sie ist Freiwild.